Wie Radio France berichtet, hat das »Bonjour« eines Zugbegleiters in Flandern zu Verstimmungen geführt. In einem Waggon habe der Schaffner der Staatsbahn NMBS/SNCB an ein niederländisches »Goeiemorgen« ein französisches »Bonjour« gehängt, obwohl der Zug in Richtung Brüssel sich in dem Augenblick noch in Flandern befunden habe. Den geltenden Regeln zufolge hätte er nur auf Niederländisch grüßen dürfen. Ein Passagier habe den Zugbegleiter zunächst auf den Fehler hingewiesen, dann aber auch eine offizielle Beschwerde eingereicht.
Radio France weist darauf hin, wie detailliert die Amtssprachen in Belgien geregelt sind: In Wallonien werde Französisch gesprochen, in Flandern Niederländisch. Im zweisprachigen Brüssel seien Ankündigungen in beiden Sprachen vorgesehen, allerdings mit Vorrang der Niederländischen Sprache im Nordbahnhof und Vorrang des Französischen im Südbahnhof. Am Hauptbahnhof werde die Reihenfolge jede Woche geändert.
Die Debatte um den Fehler des Schaffners sei bis zum Bundesparlament vorgedrungen, da die Sprachangelegenheiten in einem zweisprachigen — in Wirklichkeit dreisprachigen1Niederländisch, Französisch und Deutsch — Königreich alles andere als unerheblich seien. Die Flaminnen hätten lange Zeit gedacht, dass ihre Sprache vom Französischen verdrängt werden könnte.
Der »perfekt französischsprachige« Abgeordnete Sammy Mahdi, seines Zeichens Vorsitzender der flämischen Christdemokratinnen (CD&V), gibt — laut der belgischen Zeitung Dernière Heure, auf die Radio France verweist — zu bedenken, eine Lockerung der geltenden Regeln könne zur Folge haben, dass etwa Zugewanderte in Flandern nicht mehr die Notwendigkeit spüren, die niederländische Sprache zu erlernen. Am Ende würde sich dann hauptsächlich Französisch durchsetzen. Mahdi hat selbst einen Migrationshintergrund.
In Belgien nimmt man es also mit den Sprachrechten sehr genau — während man in Südtirol oft schon als Erbsenzähler gilt, wenn man darauf pocht, dass die deutsche Sprache überhaupt berücksichtigt wird.
(Allerdings nimmt man es auch hierzulande sehr genau, wenn es um die italienische Sprache geht.)
Zugschaffnerinnen wechseln übrigens auch in der Schweiz an den Sprachgrenzen die Sprachen bzw. auch die Reihenfolge, in der sie sie benutzen.
Cëla enghe: 01
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- 1Niederländisch, Französisch und Deutsch
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