Die meisten Südtirolerinnen dürften die Bilder von der enormen Warteschlange gesehen haben, die sich in der Nacht von Sonntag auf Montag vor dem Sitz des Gesundheitssprengels in Bruneck gebildet und bis zum Morgen ein riesiges Ausmaß angenommen hat. Sie versinnbildlicht einmal mehr den teilweise desolaten Zustand des heimischen Gesundheitssystems und damit einhergehend die immer häufigere Entwürdigung von Patientinnen.
Hintergrund war im vorliegenden Fall die Tatsache, dass ein Basisarzt seine Praxis geschlossen und nun eine jüngere Kollegin eine neue Praxis eröffnet hatte, womit für die betroffenen Patientinnen die entsprechende Wahl anstand. Der Direktor des Gesundheitsbezirks, Walter Amhof, erklärt die Warteschlange laut TAZ mit einem Wahlsystem, das auf ein Überangebot an Hausärztinnen ausgelegt ist und überarbeitet werden müsse — aber nicht in Bozen, sondern in Rom.
In Rom! Ein Land wie Südtirol, das sich als autonom bezeichnet, ist also nicht dafür Zuständig, die näheren Modalitäten der Wahl einer Hausärztin selbst festzulegen?
Vor wenigen Jahren hatte der italienische Staat bereits die maximale Anzahl von Patientinnen je Ärztin eingeschränkt, was angesichts des (insbesondere auch in ländlich-alpinen Gebieten Südtirols) chronischen Ärztinnenmangels bereits zu einer Anspannung der Lage geführt hatte. Dass Ärztinnen darüberhinaus — ebenfalls aus Rom — eine Umsatz-Obergrenze auferlegt wurde, die vielen die Arbeit erschwert, tut das Weitere.
So hat der staatliche Zentralismus durch Entscheidungen, die so unterschiedliche Gebiete wie Kalabrien über das Latium bis Südtirol beglücken sollen, wieder einmal direkte und massive negative Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen in Südtirol. Übrigens ohne im Gegenzug irgendwem einen Vorteil zu bringen.
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