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  • PP und Vox entkatalanisieren Palma.

    Am 28. Mai konnten die rechte PP und die neofranquistische Vox die Gemeindewahl in Palma, Hauptstadt der Balearen, knapp für sich entscheiden. Und wenn es um die Demontage des Minderheitenschutzes geht, verlieren die beiden Parteien wahrlich keine Zeit.

    Eine der ersten Maßnahmen, die sie gemeinsam ergriffen haben, war symbolischer Natur: die offizielle Internetadresse der Gemeindeverwaltung soll nicht mehr palma.cat, sondern nur noch palma.es lauten. Anschließend machten sie sich daran, die 1987 — zehn Jahre nach dem Ende des Franquismus — eingeführte, kommunale Sprachregelung so abzuändern, dass Katalanisch nicht mehr die alleinige interne Kommunikationssprache zwischen den Abteilungen ist, die Verwaltung Bürgerinnen auch dann auf Kastilisch (d.h. »Spanisch«) antworten darf, wenn sie es nicht ausdrücklich verlangt haben und Katalanisch auch sonst nicht weiter als vorrangige Sprache auf Gemeindeebene definiert ist. All diese asymmetrischen Maßnahmen sind in zum spanischen Staat gehörenden Regionen mit eigener Landessprache quasi Standard (vgl. 01). Sie sollen der Assimilierung entgegenwirken.

    Doch schon machen nicht nur Oppositionsparteien, sondern auch engagierte NROs wie die Obra Cultural Balear (OCB) darauf aufmerksam, dass die von PP und Vox beschlossenen Änderungen dem regionalen Sprachpolitikgesetz der Balearen widersprechen — und somit illegal seien. Darüber hinaus sei die herausragende Rolle der katalanischen Sprache und die besondere sprachliche Verantwortung von Palma auch in dem regionalen Sondergesetz festgeschrieben, das der Stadt die Rolle als Regionshauptstadt anvertraut.

    Zudem, so die OCB, sollten Änderungen an der Sprachpolitik nicht den wechselnden Mehrheiten im Gemeinderat unterworfen sein, sondern im breiten Konsens beschlossen werden. So hatten es auch vorhergehende PP-Bürgermeister bislang nie gewagt, die zum Schutz des Katalanischen erlassenen Regelungen einseitig zu kippen. Mit der ausgesprochen katalanophoben Vox, die 6 von 29 Sitzen gewonnen hat, wird das nun offenbar anders.

    Südtirol

    Hierzulande müssen wir uns über solcherlei zum Glück keine Sorgen machen. Ein eigenes Internetsuffix, das den Rechten ein Dorn im Auge wäre und das sie deshalb abschaffen könnten, haben wir erst gar nicht. »Wagemutige« Gemeinden, die zumindest im Netz dem banalen Nationalismus entrinnen wollen, setzen manchmal auf die Endung .eu. Das Land will für seine eigene Internetadresse erst gar nicht zuständig sein.

    Auch einen asymmetrischen Schutz der deutschen und der ladinischen Sprache gibt es hierzulande nicht — schon gar nicht mit besonderen Verpflichtungen für die Landeshauptstadt. Dort ist man schon froh, wenn man manchmal zufällig auf Beamte trifft, die auch der deutschen Sprache mächtig sind. Und in den Stadtviertelräten ist Deutsch noch nicht einmal gleichberechtigt, sondern de facto inexistent.

    Das alles, ohne dass Bozen jemals von den italienischen Rechten regiert worden wäre. Ja sogar die Partei der deutschen und der ladinischen Minderheit (insbesondere der Vizebürgermeister) scheint die Landeshauptstadt sprachlich längst aufgegeben zu haben.

    Südtirol ist also dank nationalistischen Linken :L: und Volkspartei schon heute »weiter«, als PP und Vox die Hauptstadt der Balearen irgendwann mal haben möchten. Demnach steht hierzulande auch einer Koalition der SVP mit den Schwestern von Vox — aka Brüdern Italiens — nicht viel Substantielles im Weg.

    Cëla enghe: 01



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  • Ovest ist ein ›unveränderlicher Eigenname‹.

    Am 14. Juli hatte ich mich über die einsprachige E-Mail-Adresse qualita.segnalazioni[at]autobrennero.it an die öffentliche Betreibergesellschaft der A22 gewandt, um auf den seit Wochen immergleichen Hinweis Raststätte Plose Ovest gesperrt hinzuweisen — mit der Bitte, dies im Deutschen in Plose West zu korrigieren.

    Überkopfanzeige Brennerautobahn

    Schon heute, schlappe zwei Wochen später, um 10.08 Uhr habe ich von direzione.tecnica.generale[at]autobrennero.it eine einsprachig italienische Antwort auf meinen Hinweis erhalten, um 11:10 Uhr dann noch eine zweite Mail mit einer deutschen Übersetzung.

    Der Direttore tecnico generale Ing. Carlo Costa, ranghohes Mitglied des angeblich sehr auf Mehrsprachigkeit bedachten PD, teilt mir darin mit, dass die Brennerautobahn AG

    kontinuierlich der zweisprachigen Beschilderung entlang der Brennerautobahn im Landesgebiet Bozen bzgl. der Informationen an die Nutzer, besondere Aufmerksamkeit [schenkt]. Zweisprachig sind auch die Namen der Bauwerke, Tunnel und Viadukte entlang der Brennerautobahn.

    Was dagegen die Raststätte Plose ovest betrifft sowie sonstige Raststätten entlang der Brennerautobahn, handelt es sich um einheitliche Bezeichnungen beim Bau – eingetragen im Grundbuch des Ministeriums für Infrastruktur und Verkehr, der konzessionserteilenden Behörde der Brennerautobahngesellschaft – d.h. unveränderbare Eigennamen, die von der unterzeichnenden Gesellschaft nicht ausgetauscht werden können.

    – Brennerautobahn AG

    Die Erklärung ist per se schon minderheitenfeindlicher Schwachsinn mit einem unfeinen kolonialistischen Beigeschmack. Warum sollte man auf einer Überkopfanzeige im Sinne der Bürgerinnenfreundlichkeit nicht eine andere Bezeichnung verwenden dürfen, als im Grundbuch (!) eingetragen ist? Dies umso mehr, als es hier um die Bezeichnung einer Himmelsrichtung (zur Unterscheidung von der Raststätte Plose Ost) geht.

    Segreteria
    Direzione Tecnica Generale
    direzione.tecnica.generale[at]autobrennero.it

    Autostrada del Brennero SpA | Brennerautobahn AG
    Via Berlino, 10 | 38121 Trento | P.I. e C.F. 00210880225
    T. +39 0461 212611 | F. +39 0461 234976
    a22[at]pec.autobrennero.it | www.autobrennero.it

    Prima di stampare pensa all’ambiente

    Die E-Mail-Signatur ist ziemlich sicher auch ein grundbücherlich eingetragener Eigenname

    Nur weil der Staat hier beim Bau — noch vor Inkrafttreten des Zweiten Autonomiestatuts — seine Macht ausgenutzt und in Fortführung faschistischer Assimilierungspolitik einnamig italienische Bezeichnungen eintragen hat lassen, soll es der Autobahngesellschaft untersagt sein, eine deutsche Bezeichnung zu benutzen?

    Doch um festzustellen, wie sehr die Antwort von Costa an den Haaren herbeigezogen ist, reicht zum Beispiel ein Blick auf Google Maps:

    Quelle: Google Maps (StreetView)

    Hier ist eindeutig zu sehen, dass der angeblich »unveränderbare Eigenname« auf dem offziellen Schild, das direkt an der Raststätte steht, sehr wohl übersetzt wurde. Ebenso wie die Raststätte sogar auf der Webseite (unveränderliche Adresse www.autobrennero.it) der Brennerautobahn Plose West heißt:

    Webseite Brennerautobahn (Ausschnitt)

    Doch ausgerechnet auf einem Überkopfdisplay soll es jetzt plötzlich verboten sein, den »unveränderbaren Eigennamen« anzupassen?

    Der ranghohe Vertreter der Plurilinguismo-Partei versucht hier offenbar, mich (und alle Nutzerinnen der öffentlichen Infrastruktur, für die er arbeitet) zu verhöhnen. Das ist umso eindeutiger, wenn man bedenkt, wie wenig sich der PD um »Eigennamen« schert, wenn es darum geht, bis auf die letzte Alm den Willen von Ettore Tolomei umzusetzen.

    Haben die Südtiroler Gemeinden und das Land, die an der Betreibergesellschaft beteiligt sind, irgendetwas zum diskiminierenden Quatsch zu sagen, der auch in ihrem Namen verbreitet wird?

    Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 06 || 01



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  • Wahl in Spanien: Separatistinnen entscheidend.
    Rechtsradikale eingebremst

    Die spanischen Parlamentswahlen vom gestrigen Sonntag sind geschlagen — und obschon die Rechte erwartungsgemäß vorne liegt, wurden die Sozialistinnen (PSOE) von Regierungschef Pedro Sánchez nicht abgewatscht.1Im Vergleich zur Wahl von November 2019 konnten sie von 120 auf 122 Sitze zulegen (+2). Am allerwichtigsten dürfte aber sein, dass es in Spanien gelungen ist, den Vormarsch der rechtsradikalen Vox — zumindest vorerst — zu stoppen und zurückzudrängen.2Im Vergleich zur Wahl von November 2019 verlor Vox 19 von 52 Sitzen und stellt nur noch 33 Abgeordnete.

    Aufgrund der neuen Sitzverteilung im Kongress ist die bedingt siegreiche Volkspartei PP3Stärkste Partei mit 136 Abgeordneten (+47 im Vergleich zu November 2019), aber weit weg von der absoluten Mehrheit. auch mit den Stimmen von Vox nicht mehrheitsfähig. Kommt es nicht zu einer Zusammenarbeit von rechten und linken Kräften im Sinne einer Großen Koalition, sind sowohl der bisherige Premierminister Pedro Sánchez als auch PP-Spitzenkandidat Alberto Nuñez Feijóo auf die Unterstützung regionalistischer und separatistischer Parteien aus Galicien, dem Baskenland und Katalonien angewiesen. Schon heißt es daher, dass dem EU-Parlamentarier und früheren katalanische Präsidenten Carles Puigdemont als Chef von JxC die Rolle des Königsmachers zukommen wird.

    Ein weiteres Szenario ist, dass Pedro Sánchez die Regierungsgeschäfte fortführen wird, bis es in den nächsten Monaten wieder zu Neuwahlen kommt.

    Katalonien

    Nach einem Boykottaufruf von Sezessionistinnen und mäßigen Regierungserfolgen in Katalonien verlor insbesondere die regierende ERC von Präsident Pere Aragonès, die sich in der vergangenen Legislatur auf Verhandlungen und teils undurchsichtige Pakteleien mit Pedro Sánchez eingelassen hatte, deutlich an Zuspruch4Im Vergleich zur Wahl von November 2019 schrumpften die linken Republikanerinnen von 13 auf 7 Sitze (-6)., während JxC ihr Ergebnis vom letzten Mal nahezu halten konnte5Im Vergleich zur letzten Wahl verlor die Liste einen Sitz und stellt fortan wie ERC 7 Abgeordnete. Die linksradikale CUP, die bislang zwei Sitze innehatte, flog hingegen gänzlich aus dem Kongress.

    Alles in allem kann man sagen, dass es der spanischen Repression — samt politisch motivierten Inhaftierungen, im Exil befindlichen Politikerinnen und Bespitzelungsmaßnahmen — gelungen zu sein scheint, der Separationsbewegung zumindest vorläufig das Genick zu brechen. In diesem Sinne waren die soeben geschlagenen Wahlen aus Sicht der Unabhängigkeitsbefürworterinnen verfälscht.

    Geradezu ironisch ist natürlich, dass eine Regierungsbildung auf gesamtstaatlicher Ebene voraussichtlich trotzdem nicht ohne ERC und Junts möglich sein wird.

    (Die PSOE-PSC konnte in Katalonien 19 Sitze erringen, Podem-Nachfolger Sumar sieben, die PP sechs und Vox zwei.)

    Euskadi

    Die linksradikale, separatistische EH Bildu konnte im Baskenland von fünf auf sechs Sitze zulegen und übertrumpfte damit erstmals die gemäßigt separatistische bzw. regionalistische EAJ, die ihrerseits von sechs auf fünf Sitze schrumpfte.

    (Die PSOE-PSE errang in Euskadi fünf Sitze, die PP zwei und Sumar einen.)

    GALICIEN

    Ihren einzigen Sitz bestätigen konnte die ebenfalls linksradikale und separatistische Bloque Nacionalista Galego (BNG).

    (An die PP gingen in Galicien 13 Sitze, sieben an die PSOE-PSdG und zwei an Sumar.)

    Gäbe es Galicien, Baskenland und Katalonien nicht6bzw. wenn sie ähnlich wählen würden, wie der Durchschnitt von Spanien, wären PP und Vox übrigens locker regierungsfähig. Dass sich Rechtsrechts nicht ausgeht, ist den »staatslosen Nationen« zu verdanken.

    Cëla enghe: 01 02

    • 1
      Im Vergleich zur Wahl von November 2019 konnten sie von 120 auf 122 Sitze zulegen (+2).
    • 2
      Im Vergleich zur Wahl von November 2019 verlor Vox 19 von 52 Sitzen und stellt nur noch 33 Abgeordnete.
    • 3
      Stärkste Partei mit 136 Abgeordneten (+47 im Vergleich zu November 2019), aber weit weg von der absoluten Mehrheit.
    • 4
      Im Vergleich zur Wahl von November 2019 schrumpften die linken Republikanerinnen von 13 auf 7 Sitze (-6).
    • 5
      Im Vergleich zur letzten Wahl verlor die Liste einen Sitz und stellt fortan wie ERC 7 Abgeordnete.
    • 6
      bzw. wenn sie ähnlich wählen würden, wie der Durchschnitt von Spanien


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  • Der PD erneut gegen Proporz und Zweisprachigkeit.

    Während die italienischen Rechten wohl noch versuchen, sich wenigstens bis zur Landtagswahl in Zaum zu halten, ist es wieder einmal der PD, der mit Sandro Repetto und Elio Dellantonio gegen den Sprachgruppenproporz und sogar gegen die Zweisprachigkeitspflicht im öffentlichen Gesundheitswesen wettert.

    Parteienproporz statt Sprachgruppe?

    Möglicherweise liegt das auch daran, dass die beiden Minderheitenschutzmaßnahmen den Karriere-Ambitionen ihrer eigenen Protegés im Weg stehen, da es die Partei bis vor wenigen Jahren, als sie noch selbst in der Landesregierung saß, gewohnt war, im Sinne des Postenschachers über den Bozner Gesundheitsbezirk zu herrschen.

    So ist es diesmal auch gar nicht das ärztliche und pflegerische Personal, um das sich der PD angeblich sorgt, sondern die Verwaltung und insbesondere die Führungsebene.

    Indem sie sich aber in der nationalistischen, minderheitenfeindlichen Rhetorik kaum (ja derzeit oft sogar negativ) von den Rechten unterscheidet, spielt die angeblich progressive Partei der menschenfeindlichen Konkurrenz von FdI, Lega und FI einmal mehr in die Hände.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01



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  • Rittner Rodelunfall: Freispruch.

    Rund vierandhalb Jahre, nachdem sich am Ritten ein tödlicher Rodelunfall ereignet hatte — und zwei Jahre nach Anklageerhebung — wurde der damalige Präsident der örtlichen Liftgesellschaft, S. W., vom Bozner Landesgericht vollumfänglich freigesprochen. Der Entscheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

    Bis zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft aufgrund eines einsprachig deutschen Schildes — trotz Vorhandenseins eines unmissverständlichen Piktogramms, das auf ein Rodelverbot hinwies — an ihrer Forderung festgehalten, W. müsse wegen fahrlässiger Tötung zu einer Haftstrafe verurteilt werden. Warum das aus meiner Sicht ein ungerechter und einseitiger Vorwurf ist, hatte ich hier bereits aufgeschrieben.

    Richterin Elsa Vesco schloss sich der verbissenen, nationalistischen Haltung der öffentlichen Anklage letztendlich nicht an. Doch noch ist offen, ob die Verwandten der Opfer oder die Staatsanwaltschaft selbst in die zweite Instanz ziehen werden.

    Cëla enghe: 01



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  • Wir sind kein Staat und auch kein Bundesland.
    Regulierungsbehörde

    Unter dem Titel “Wir sind kein Staat” ist in der TAZ vom 19. Juli ein Gespräch mit dem ehemaligen SVP-Abgeordneten Karl Zeller zur Möglichkeit der Schaffung einer Südtiroler Regulierungsbehörde für Energie befragt.

    Einige Auszüge:

    [Die Regulierungsbehörde] fällt in die Bereiche des Wettbewerbs und des Zivilrechts und kann somit nicht lokal gemacht werden, sondern ist immer eine gesamtstaatliche Einrichtung.

    – Karl Zeller, TAZ (19. Juli)

    Falls mit diesem »immer« nahegelegt werden soll, dass das in allen Ländern, insbesondere in allen EU-Ländern so ist, muss dem widersprochen werden. Das nächste Zitat spricht für diese Interpretation von Zellers Aussage:

    Man kann natürlich versuchen, in Rom eine Durchführungsbestimmung auszuhandeln. Ich halte die Erfolgsaussichten aber für äußerst gering. Südtirol ist nun einmal kein Staat, sondern eine autonome Provinz.

    – Karl Zeller, TAZ (19. Juli)

    Das könnte man zunächst als einen weiteren Grund interpretieren, warum die Autonomie unzureichend und die Eigenstaatlichkeit attraktiv und erstrebenswert ist.

    Doch Herr Zeller irrt: Man muss nicht zwangsläufig ein unabhängiger Staat sein, um eine eigene Regulierungsbehörde einzurichten. Eine richtige Autonomie reicht dafür aus. So hat in Deutschland jedes Land das Recht, eine eigene Regulierungsbehörde einzurichten. Fast alle, einschließlich des kleinen Saarlandes, haben dies auch gemacht. Nur vier (Berlin, Brandenburg, Bremen und Schleswig-Holstein) haben ihre Zuständigkeit im Rahmen einer sogenannten Organleihe zumindest vorerst der Bundesnetzagentur überlassen.

    Warum fordern diejenigen, die jetzt laut nach einer Regulierungsbehörde schreien, nicht auch eine eigene Anti-Trust-Behörde, um das Medienmonopol einzudämmen?

    – Karl Zeller, TAZ (19. Juli)

    Das ist ein sehr guter Vorschlag. Zeller spielt auf die Athesia an, deren Medien zwar eine Regulierungsbehörde, aber — vermutlich aus Eigennutz — keine Südtiroler Kartellbehörde fordern. Doch nicht nur die Athesia will die Schaffung einer eigenen Regulierungsbehörde.

    All jene, die sich für einen eigenen Staat einsetzen, wollen zumindest implizit auch die Hoheit in diesem Bereich. Genauso wie alle, die eine sogenannte Vollautonomie möchten, was auch immer das sein soll.

    Nicht zuletzt haben deutsche Bundesländer übrigens neben ihren eigenen Regulierungsbehörden auch Kartellämter. Falls Südtirol dieses Recht nicht hat, zeugt das lediglich davon, dass von einer Vorzeigeautonomie nicht die Rede sein kann. Jedes gewöhnliche deutsche Land hat mehr Zuständigkeiten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Die Solidaritätskarte ist auch noch einsprachig.

    Die rechtsrechte Regierung von Giorgia Meloni (FdI) hat wenig überraschend die Maßnahmen zugunsten der Ärmsten gekürzt und in diesem Zuge die Solidaritätskarte Dedicata a te eingeführt, deren peinliche, eher an die Kundenkarte eines Discounters erinnernde Bezeichnung1zu Deutsch: »Dir gewidmet« gut zum niedrigen Einmalbetrag (382,50€) und zur paternalistischen Festlegung der damit zu erwerbenden Produkte2so zum Beispiel Zucker ja, aber Salz nicht passt.

    Internetseite der Gemeinde Bozen (Ausschnitt), Hervorhebung von mir

    Laut Auskunft der Gemeinde Bozen sind die näheren Informationen zur Karte und zu ihrer Nutzung, die sich auf den Seiten des Landwirtschaftsministeriums (!) befinden, nur in italienischer Sprache verfügbar. »Zurzeit«, wie es heißt.

    Internetseite des Landwirtschaftsministeriums (Ausschnitt)

    Wir Südtirolerinnen kennen die Definition dieses »zurzeit« nur zu gut — sie deckt sich in der Regel mit jener des Wortes »permanent«. Im Zusammenhang mit einer Maßnahme, die an Personen gerichtet ist, die vulnerabel oder in einer prekären Lage sind, ist die Einsprachigkeit jedoch umso besorgniserregender.

    Und leider ist auch die entsprechende Seite der Post, die mit der praktischen Abwicklung (Übergabe der Solidaritätskarte) betraut ist, wie der gesamte Internetauftritt einsprachig italienisch:

    Internetseite der Post (Ausschnitt)

    Dies betrifft die bereitgestellten Formulare (Vollmacht, Duplikat, neue PIN-Nummer) und Unterlagen (Infoblatt) natürlich genauso. Und die Postamat-Geräte, die man als einzige nutzen kann, um das restliche Saldo zu überprüfen, können ebenfalls kein Deutsch.

    So werden Bedürftige, die nicht italienischer Muttersprache sind (Sprachminderheiten, Migrantinnen…) zusätzlich diskriminiert und minorisiert. Doch diesbezüglich waren auch die italienischen Regierungen anderer politischer Couleur leider nicht besser.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 05 06 07 || 01

    • 1
      zu Deutsch: »Dir gewidmet«
    • 2
      so zum Beispiel Zucker ja, aber Salz nicht


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