Das nationalistische Onlineportal BZ News 24 hat vorgestern auf Facebook die Nachricht veröffentlicht, dass Vizelandeshauptmann Marco Galateo von den neofaschistischen Fratelli d’Italia nach der Schule schon wieder ein neues identitäres Betätigungsfeld gefunden hat: Im Rahmen der Auffrischung der Südtirol-Dachmarke will er den im Faschismus oktroyierten Landesnamen A. Adige verpflichtend machen, um — hört, hört — den sprachlichen Pluralismus des Landes sichtbar zu machen.
Autor Alan Conti, der auch für den Corriere arbeitet, hat den Text auch auf seinem privaten Profil veröffentlicht, wo er den Vorstoß von Galateo gegen erstaunlich breiten Widerspruch, auch von italienischer Seite, mit großer Inbrunst verteidigt.
Unter anderem bezweifelt auch Enrico Hell, historischer Aktivist für die mehrsprachige Schule, die Notwendigkeit einer Verpflichtung zu A. Adige in der Dachmarke — die ja ohnehin bereits in zwei Sprach- und Namensversionen existiert.
Ein anderer Kommentator, ein gewisser Klemik Rumkugel, legt dann den Finger in die offene Wunde, indem er polemisch fragt, warum der Landesrat (bzw. LH-Vize), wenn ihm die Zweisprachigkeit so wichtig ist, immer ausschließlich Italienisch spricht. Spräche der Landeshauptmann ausschließlich Deutsch, wäre das wohl der Weltuntergang. Daraufhin intervenieren nicht nur Conti, sondern auch Galateo selbst, um seine Einsprachigkeit zu verteidigen. Es gebe auch Mitglieder der Landesregierung mit leichten Schwierigkeiten im Italienischen (Conti), er sage immer auch etwas auf Deutsch, doch jeder solle in seiner eigenen Sprache sprechen dürfen und wenn auch der LH-Vize Deutsch spräche, dann würde gar niemand mehr Italienisch sprechen (Galateo).
Da ließe sich Punkt für Punkt widersprechen. Dass es aber meines Wissens noch nie ein deutschsprachiges Mitglied der Landesregierung gab, das italienischsen Medien in Interviews nur auf Deutsch geantwortet hat, während es umgekehrt die Regel ist, dass italienischsprachige Landesräte auch deutschen Medien stets nur auf Italienisch antworten, musste gesagt werden.
Wirklich fassungslos macht aber diese Antwort von Galateo an Klemik Rumkugel:
Auszug FB-Diskussion – Hervorhebung und Querbalken von mir
Auch das Facebook-Profil von Klemik Rumkugel sei doch nur auf Deutsch, das sei doch auch kein Problem. Echt jetzt? So geht der stellvertretende Regierungschef von Südtirol mit der Kritik um, dass er selbst (so gut wie) nie Deutsch spreche und es wohl auch nicht beherrscht? Indem er sich selbst in seiner institutionellen Rolle und das Social-Media-Profil einer anonymen Privatperson auf eine Stufe stellt und damit zu rechtfertigen versucht?
Ich bin unschlüssig: Ist es Chuzpe? Ist es Hybris? Ist es einfach nur die Auffassung oder die Einsicht, dass er gegen jede Kritik immun ist und sich jede Pöbelei auf Kindergartenniveau leisten kann? Oder ist es einfach nur unübertreffliche Dummheit?
Jedenfalls ist das wieder einmal einer von inzwischen viel zu vielen Höhepunkten der Verachtung für Bevölkerung und Sprachminderheiten dieses Herrn, der auch als Vize-LH in einer SVP-geführten (!) Landesregierung beharrlich an einer Agenda der Minorisierung und des nationalen Suprematismus festhält.
Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 06



