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  • Die Post italianisiert das Forstbier.

    Im Rahmen einer Serie, die den »Spitzenleistungen der [italienischen] Wirtschaft und des Made in Italy« gewidmet ist, hat die italienische Post auch dem Südtiroler Forst-Bier eine eigene Briefmarke gewidmet, deren Entwurf von Emanuela L’Abate stammt. Sie wurde gestern gemeinsam mit fünf weiteren Marken ausgegeben.

    Ausschnitt Website der italienischen Post

    Vom banal-nationalistischen Hintergrund einer solchen Briefmarkenserie einmal abgesehen, zeigt sich auch diesmal wieder zuverlässig die tief im Gencode des italienischen Nationalstaats eingeschriebene Assimilierungstendenz.

    Erst kürzlich mussten Briefmarken zur Rosengarten- und Latemargruppe zurückgezogen werden, weil die Bezeichnung der Region sowie der Berge nur auf Italienisch angegeben war.

    Auf der Forst-Briefmarke ist indes ein Bierglas mit dem Firmenlogo der Südtiroler Brauerei und dem Zusatz »dal 1857« zu sehen. Diesen Zusatz in italienischer Sprache gibt es aber auf den realen Forst-Gläsern gar nicht. Dort steht — auch wenn sich die Brauerei inzwischen zum offiziellen Sponsor der Alpini-Aufmärsche entwickelt hat — noch immer nur »seit 1857«.

    Das war für eine Briefmarke des so »minderheitenfreundlichen« italienischen Staates offenbar zuviel, sodass man sich zu einem sprachkorrigierenden Eingriff zur Unsichtbarmachung der Minderheitensprache entschied. 

    Die Minorisierung und Marginalisierung geht bis ins kleinste Detail und wird — wie man sieht — mit akribischer Perfektion umgesetzt. Es hätte nur noch gefehlt, dass man Forst mit dem erfundenen Ortsnamen »Foresta« übersetzt, doch eine derartige Entstellung einer Firmenbezeichnung wäre dann wohl doch zu weit gegangen.

    Darüber hinaus gibt es übrigens weder die Webseite, über die man die Briefmarke erwerben kann, noch irgendeine sonstige Zusatzinformation auch auf Deutsch.

    Dabei ist die italienische Post etwa bei ihrem eigenen Firmennamen — obwohl es sich um ein öffentliches Unternehmen handelt, das der Zweisprachigkeitspflicht unterworfen ist — höchst penibel und unflexibel: Auch auf Deutsch darf es ausschließlich Poste Italiane heißen, Übersetzung unmöglich.

    Bei anderen, insbesondere Minderheiten, ist man da viel weniger streng.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Aldo Mazza und Deutsch im Gesundheitswesen.

    Der Gründer der Sprachschule Alpha Beta, Aldo Mazza, hat zuletzt mehrere Vorschläge zur Reform der Sprachpolitik unterbreitet, insbesondere zur Zweisprachigkeit im Gesundheitswesen. Sie sind in einen gemeinsamen Beschlussantrag (Nr. 446/26) von Grünen und PD eingeflossen, dessen beschließenden Teil ich großteils relativ sinnvoll finde.

    Ich möchte hier aber einige Aussagen von Mazza, die in den Medien wiedergegeben wurden, kommentieren:

    [N]atürlich muss der Arzt gut sein, aber gut sein heißt auch, den Patienten zu verstehen und für ihn verständlich zu sein. Auf der anderen Seite gab es dieses Plakat der Südtiroler Freiheit [sic], auf dem man einen Toten sieht und den Spruch lesen kann „Der Arzt konnte kein Deutsch“. Dadurch entsteht der Eindruck, mangelnde Deutschkenntnisse würden Menschenleben gefährden. Eine solche Vereinfachung hilft uns nicht weiter.

    – Aldo Mazza im dieswöchigen ff-Interview

    Wiewohl ich die STF-Plakate (gelinde gesagt) wenig hilfreich fand, hat eine kanadische Studie aufgezeigt, dass es den Zusammenhang zwischen mangelnden Sprachkenntnissen und Gefährdung von Menschenleben sehr wohl gibt — und zwar in einem Ausmaß, das selbst mich überrascht hat.

    Nach dem Einstieg in die öffentliche Sanität haben ausländische Ärztinnen und Ärzte [in Deutschland] zwei Jahre Zeit, ihre Kenntnisse in der Fachsprache nachzuweisen. Ihre Kompetenzen in der ärztlichen Kommunikation werden gezielt geprüft. Diese Prüfung wird von Ärzten abgenommen. Es gibt sogar eine Simulation mit dem Patienten, bei der festgestellt wird, ob der Arzt imstande ist, eine Anamnese zu machen, mit Patienten verständlich zu kommunizieren und medizinische Sachverhalte nachvollziehbar zu erklären. An dieses Modell könnte sich Südtirol anlehnen. Also, drei Jahre Zeit für B2, dann weitere zwei Jahre für die Fachsprache, womit die Ärztinnen und Ärzte dem Niveau C1 gleichgestellt wären, und somit ihren endgültigen Vertrag hätten.

    – Aldo Mazza im dieswöchigen ff-Interview

    In Deutschland müssen Ärztinnen B2 zum Zeitpunkt der Einstellung und Fachsprachen-C1 nach zwei Jahren nachweisen. Mazza möchte zwar das deutsche Modell nach Südtirol holen, dann aber die verbindlichen Schwellen deutlich nach hinten verschieben. Drei Jahre soll es dauern, bis überhaupt B2 nachgewiesen werden muss; danach sollen weitere zwei Jahre für die fachsprachliche Qualifikation auf C1-Niveau folgen.

    Zahlreiche Ärztinnen würden also weiterhin — und sogar noch mehr als bisher — ohne angemessene Deutschkenntnisse arbeiten. Das wäre in Deutschland undenkbar.

    (Und es wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Südtirol undenkbar, wenn wir es nicht mit so vielen einsprachig italienischen, sondern vor allem mit einsprachig deutschen Ärztinnen zu tun hätten.)

    Wie ich an anderer Stelle geschrieben habe, hatte ich in Südtirol bei italienischen Ärztinnen in den allerseltensten Fällen das Gefühl, dass sie zu gut Deutsch sprechen und auch ein niedrigeres Niveau ausgereicht hätte. Sehr oft war hingegen das Gegenteil der Fall.

    Hinzu kommt ein struktureller Unterschied zwischen Deutschland und Südtirol, den ich ebenfalls bereits beschrieben hatte: In Deutschland trägt die Berufspraxis notgedrungen zur Vertiefung der Deutschkenntnisse bei, denn mit Kolleginnen und Patientinnen wird man hauptsächlich Deutsch sprechen müssen. In Südtirol ist es hingegen — wie wir leider wissen — durchaus möglich, sich in der alltäglichen Praxis der deutschen Sprache völlig zu entziehen. Deshalb sehe ich eine Aufweichung des geforderten Sprachniveaus kritisch.

    Die sprachliche Realität Südtirols ist nicht mit jener Deutschlands gleichzusetzen. Wer hier Deutsch — nicht die Staats-, sondern eine Minderheitensprache — schützen will, kann nicht einfach davon ausgehen, dass die Kenntnisse im Alltag automatisch zunehmen.

    Eine sachliche Basis wäre?
    Etwa eine einheitliche Regie, so wie in Katalonien, wenn es um Zweisprachigkeit geht. Sie betrifft ja viele Bereiche: Schule, Bildung, Gesundheit, öffentliche Verwaltung … Zweisprachigkeit ist im öffentlichen Interesse, so wie eine gesunde Umwelt, eine gute Schule, ein effizientes soziales Netz. Trotzdem geht man diese Probleme getrennt nach Sprachgruppen an.
    Der Landeshauptmann hat ja eine ­Kommission zur Zweisprachigkeit ­eingesetzt, …
    … die zum Beispiel kategorisch sagt, C1 muss bleiben. Das ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Vernünftig wäre, mit jenen zu reden, die mit der Sache zu tun haben, also nicht nur mit Beamten, sondern mit ­Experten, Lehrern und ­Professoren, Vertretern aller Sprachgruppen und ­Vertretern von Mehrheit und ­Opposition im Landtag.

    – Aldo Mazza im dieswöchigen ff-Interview

    Ich persönlich bin, wie sich unschwer wird erahnen lassen, durchaus für die Übernahme des katalanischen Modells. Allerdings wird auch in Katalonien das C1-Niveau von Ärztinnen verlangt. Das C1-Niveau wird dort in den meisten Fällen sogar bei Pflegekräften vorausgesetzt, die in Südtirol nur B2 nachweisen müssen.

    Und natürlich dient die von Mazza zitierte »einheitliche Regie« in Katalonien — wie in vielen Minderheitengebieten — ausschließlich dem Schutz und der Förderung der Minderheitensprache und nicht auch der Staatssprache. Das sei hier nur am Rand erwähnt.

    Sehr zu begrüßen ist Mazzas Vorschlag eines Sprachbarometers für das Gesundheitswesen. Im Salto-Beitrag über die Vorstellung des Beschlussantrags von Grünen und PD heißt es, damit solle die »impressionistische Phase« überwunden werden. Das ist sinnvoll, denn in Südtirol gibt es grundsätzlich viel zu wenige Sprachdaten.

    Andererseits nennt Mazza als Gründe für die angeblichen Sprachprobleme der deutschen Sprachgruppe laut Salto das fast vollständige Verschwinden der italienischen Sprache aus den »peripheren« Gegenden und die fehlende Notwendigkeit, die Sprache im Alltag zu verwenden.

    Da frage ich mich, warum man mehr Daten fordert, wenn man selbst die wenigen verfügbaren Daten so konsequent ignoriert oder ins glatte Gegenteil verkehrt. Die italienische Sprachgruppe wächst nämlich überall, die italienische Sprache ist omnipräsent und unausweichlich, auch weil das Recht auf Gebrauch der deutschen Sprache systematisch missachtet wird. Wenn es eine Sprache gibt, die in Südtirol längst nicht mehr notwendig ist, dann ist es neben der ladinischen die deutsche. Angefangen bei der Landeshauptstadt.

    Die teilweise glottophoben Äußerungen zum Dialekt, die in dem Salto-Bericht ebenfalls wiedergegeben sind, wären noch einen gesonderten Kommentar wert.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 05 06



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  • Langes Neonazi-Wochenende im Trentino.

    Von morgen Donnerstag bis Sonntag findet in Pietramurata, einer Fraktion der Gemeinde Dro im benachbarten Trentino, ein internationales Neonazitreffen statt. Es werden rund 400 Teilnehmende aus ganz Italien und aus dem europäischen Ausland erwartet. Organisiert wird Ritorno a Camelot (Rückkehr nach Camelot), wie die Veranstaltung heißt, vom rechtsextremen Veneto Fronte Skinheads im örtlichen Hotel Ciclamino.

    Die Bürgermeisterin von Dro, Ginetta Santoni, hatte sich ebenso wie ihre Amtskollegen von Trient, Franco Ianeselli, und Riva del Garda, Alessio Zanoni (beide PD), dafür ausgesprochen, das Treffen zu untersagen. Sogar Landeshauptmann Maurizio Fugatti (Lega) distanzierte sich deutlich. Auf staatlicher Ebene war Innenminister Matteo Piantedosi dazu aufgerufen worden, gegen die Veranstaltung vorzugehen.

    Das Komitee für öffentliche Ordnung und Sicherheit unter Vorsitz der Präfektin Isabella Fusiello entschied jedoch, den Aufmarsch zu genehmigen. Die Begründung: Es gebe derzeit in Italien keine ausreichende rechtliche Grundlage, um eine solche Veranstaltung — zumal auf Privatgrund — zu verhindern. Gleichzeitig wird sie unter massivem Polizeischutz stattfinden: Bis zu 140 Einsatzkräfte sollen dafür abgestellt werden.

    Das ist erstaunlich: Ein internationales Neonazitreffen gilt rechtlich als private Angelegenheit, die man nicht verbieten kann, obwohl dafür deutlich über hundert Polizistinnen mobilisiert werden müssen.

    Für Aufsehen sorgte zudem, dass Emilio Giuliana, der Trentiner Chef der Vannacci-Partei Futuro Nazionale, angekündigt hat, an der Veranstaltung teilnehmen zu wollen. Er habe dafür sogar seinen Urlaub verschoben. Der Fascho-General selbst, dessen Partei in Südtirol von Ex-Landesrat Massimo Bessone angeführt wird, gab seinen Segen dazu und bezeichnete die Teilnahme als persönliche Entscheidung.

    Nicht auszuschließen ist überdies, dass auch Bozner Verbündete der SVP bei der Neonazi-Veranstaltung anzutreffen sein werden. Schließlich sind zwei Bozner Stadtviertelräte der Lega — Maurizio Puglisi Ghizzi und Massimo Trigolo — Gründungsmitglieder von Remigrazione e Riconquista, einer rassistischen Bewegung, die unter anderem von CasaPound und Veneto Fronte Skinhead gemeinsam ins Leben gerufen wurde.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Karl Zeller und die Ukraine.


    Lieber Karl Zeller,

    bei allem Respekt, den russischen Kriegspräsidenten Wladimir Putin hätte auch eine Autonomie samt Minderheitenschutz im ukrainischen Donbas nicht von einem Einmarsch abgehalten. Putin braucht für seinen Imperialismus keinen – wie auch immer gearteten – Vorwand.

    Selbstverwaltung plus Minderheitenrechte im Donbas, eine Hürde gegen die Invasion? Zeller ist überzeugt, so sagte er es im Interview mit der Zeitung Corriere dell’Alto Adige, die Ukraine hätte damit Putin das Argument für die »Sonderoperation« entzogen. So als ob Putin ein Vorwand bräuchte, ein Nachbarland zu überfallen.

    Der Ex-KGB-Agent und spätere Sankt Petersburger Verbindungmann zur russischen Mafia (siehe dazu das Standardwerk Putins Netz von Catherine Belton) begründete seinen Krieg gegen die Ukraine damit, dass er den angeblichen Genozid an der russischen Bevölkerung in der Ostukraine stoppen wollte. Es gab aber keinen Genozid, die große Mehrheit in der Ukraine sprach wegen der mehrhundertjährigen Russifizierung des Landes – die kommunistische Sowjetunion unterschied sich diesbezüglich wenig vom Zarenreich – Russisch. Besonders im Donbas.

    Milizen prorussischer Oligarchen zündelten schon 2014 gekonnt im Osten der Ukraine, gesponsert von amtlichen russischen Stellen. Die ersten Funktionäre der sogenannten »Volksrepubliken« stammten allesamt aus Russland. Sie erklärten die Ostukraine zu »Neurussland«. Purer völkischer Imperialismus. Nachzulesen in Im täglichen Krieg von Andrej Kurkow, im Feuerpanorama von Sergej Gerassimow und auch im Schergenstaat Russland von Alexander Estis.

    Einige Monate vor Kriegsbeginn, 2021, veröffentlichte das russische Präsidialamt einen Text von Präsident Putin: »Über die historische Einheit der Russen und Ukrainer«. Da erklärte der Hobbyhistoriker, dass die Ukrainer:innen nur die kleinen Brüder und Schwestern der Russ:innen sind. Und die können ja jederzeit überfallen werden. Besonders dann, wenn ukrainische Nationalisten ein »Anti-Russland« formieren. Und schon hatte Putin seinen Vorwand.

    Schon Parteifreund Luis Durnwalder (SVP) warb 2015 im Donbass für Autonomie und Minderheitenschutz. Eingeladen ausgerechnet von westeuropäischen Rechtsradikalen und einem Pro-Putin-Netzwerk. Südtirol als Modell?

    Noch ein Blick auf mögliche Vorwände. Putin ließ auf den ersten Tschetschenienkrieg (1994-96) – initiiert von Putin-Vorgänger und Paten Boris Jelzin – einen zweiten Krieg (1999-2009) folgen. Er ließ das Land plattbomben. Kriegsverbrechen gehörten zur Strategie.

    Die russische Armee marschierte in Georgien ein, um die angeblich bedrohten Südoseten und Abchasen vor den Georgiern zu schützen. Seitdem sind beide Regionen russisch besetzt. Ein Krieg, um den Westkurs Georgiens zu stoppen. Erfolgreich gelungen.

    Die russische Armee hält Transnistrien in der Republik Moldawien besetzt, weil angeblich auch Neurussland. Leitmotiv, wo ein russischer Soldat begraben liegt – mit und ohne Autonomie – ist Russland.

    Putin braucht keinen begründbaren Vorwand, schon gar keinen ethnisch motivierten, um losschlagen zu lassen.

    Der Stalin-Nachfolger ließ losschlagen, weil die Ukraine in die NATO wollte, weil die Ukrainer:innen sich vom Sowjetsystem lossagten, weil die Ukraine endlich den russischen Kolonialismus abwickeln wollte. Putin ließ die Panzer rollen, weil er seine oligarchischen Freunde in der Ukraine sponsern wollte. Autonomie und Minderheitenrechte wären da wohl kein Hindernis gewesen, die Ukraine zu überfallen.


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  • Faschistengruß für Ramelli archiviert.

    Jeden 29. April versammeln sich in Mailand hunderte Neofaschistinnen, um das Gedenken an den 1975 ermordeten Sergio Ramelli — und ihre rechten Arme zum Faschistengruß — hochzuhalten. Eine ähnlich ungenierte Zurschaustellung faschistischen Selbstbewusstseins findet jeden 7. Jänner in der römischen via Acca Larenzia statt.

    Jetzt wurde das Verfahren gegen 18 Rechtsextremistinnen eingestellt, die beim Ramelli-Gedenken am 29. April 2023 den Faschistengruß gezeigt hatten. Unter den Beschuldigten befanden sich Mitglieder von CasaPound, Lealtà e Azione und Movimento Nazionale – Rete dei Patrioti. Ihnen waren unter anderem Verstöße gegen das Scelba-Gesetz wegen faschistischer Wiederbetätigung sowie Propaganda und Anstiftung zu Straftaten aus rassistischen Gründen vorgeworfen worden. Doch die Voruntersuchungsrichterin folgte dem Antrag des zuständigen Staatsanwalts auf Archivierung.

    Die Begründung hat es in sich. Bei den seit Jahren stattfindenden Ramelli-Veranstaltungen habe es nie konkrete Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die demokratische Ordnung durch eine mögliche Wiedergründung der faschistischen Partei gefährdet gewesen sei. Der Faschistengruß sei in diesem Kontext außerdem kein Ausdruck einer Ideologie der Intoleranz oder Diskriminierung, sondern dem Gedenken an einen jungen Mann zuzurechnen, der seine politische Meinung vertreten habe.

    Damit wird im Kontext einer regelmäßig stattfindenden öffentlichen Veranstaltung der extremen Rechten die wohl bekannteste faschistische Geste von einem politischen Symbol zum harmlosen privaten Erinnerungsritual umgedeutet.

    Dabei handelt es sich nicht um eine zufällige Geste irgendeiner einzelnen Teilnehmerin, sondern um einen seit Jahren stattfindenden Aufmarsch der extremen Rechten, bei dem der Faschistengruß zum festen Bestandteil der Inszenierung gehören.

    Mit ihrer jetzigen Entscheidung ändert die Mailänder Staatsanwaltschaft ihre bisherige Linie grundlegend. In den vergangenen Jahren hatte sie bei vergleichbaren Fällen regelmäßig die Einleitung eines Hauptverfahrens beantragt. Die neue Haltung dürfte dabei auf die Grundsatzentscheidung der Kassation von 2024 zurückzuführen zu sein, die die Grenzen für Verurteilungen noch einmal enger gesteckt hat, als sie in Italien ohnehin schon waren.

    Die italienische Judikative überrascht immer wieder mit faschismusverharmlosenden (vgl. 01 02) — und teilweise widersprüchlichen — Interpretationen, die im deutschsprachigen Raum schwer vorstellbar wären.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Il Canada difende il francese da Trump.

    Da tempo la destra statunitense esprime insofferenza verso le norme linguistiche canadesi e, in particolare, quelle del Québec, che tutelano il francese anche in campo economico e commerciale.

    In Canada denominazioni dei prodotti, informazioni tecniche, manuali d’uso, certificati, servizi alla clientela e pubblicità devono essere disponibili anche in francese. Il Québec si spinge oltre e in molti ambiti prescrive non soltanto la presenza del francese, ma una sua posizione predominante rispetto alle altre lingue.

    Le regole valgono anche per il mondo digitale e per le grandi piattaforme come Netflix o HBO. E qui il Québec non si limita a stabilire che i contenuti possano essere fruiti in francese, ma prevede anche specifici obblighi e meccanismi di tutela della produzione e della diffusione di contenuti in questa lingua.

    Per le aziende statunitensi tutto ciò porta con sé obblighi supplementari, che fanno sì che non possano operare sul mercato canadese come se fossero negli USA. Dal loro punto di vista, dunque, spesso quelli che per i francofoni in Canada e nel Québec sono strumenti di tutela linguistica non sono altro che ostacoli alla libera circolazione di beni e servizi.

    È proprio questa distinzione che il primo ministro canadese Mark Carney ha ribadito pochi giorni fa con riferimento alle trattative commerciali con gli Stati Uniti. Quelli che per i negoziatori di Washington possono apparire come irritants — irritazioni, fastidi, ostacoli — in Québec sono diritti. E il governo canadese, ha fatto sapere Carney, non accetterà mai un accordo commerciale che li indebolisca.

    È un’affermazione tutt’altro che scontata sul piano internazionale. Significa riconoscere che la tutela di una lingua minoritaria non può fermarsi davanti alla porta di un negozio o all’accesso a una piattaforma digitale. Se una lingua deve poter essere effettivamente utilizzata nella società, non basta dichiararla ufficiale o garantire astrattamente il diritto ad utilizzarla. Occorre fare in modo che possa essere usata nei luoghi e nei settori nei quali si svolge concretamente la vita delle persone.

    Il «libero mercato delle lingue» non è mai neutrale, perché una lingua può disporre di un mercato molto più grande di un’altra, essere dominante a livello internazionale, nell’economia e nel digitale, mentre un’altra è parlata da una comunità molto più ristretta e ha bisogno di protezioni specifiche. Lasciarle semplicemente «competere» significa favorire quella che — a livello nazionale — è già dominante.

    Il Québec ha fatto una scelta chiara: non lasciare che siano esclusivamente le dinamiche economiche a decidere quale lingua debba prevalere, ma imporre al mercato di adattarsi alla presenza e alle esigenze della comunità francofona.

    In Sudtirolo, invece, la tutela delle lingue minoritarie nel settore privato è praticamente inesistente. Nel mondo digitale e in quello commerciale la possibilità che il tedesco e il ladino siano presenti, accessibili e utilizzabili dipende quasi esclusivamente dalle scelte delle aziende stesse. Non esiste nulla di paragonabile alla complessa rete di strumenti attraverso i quali il Canada e il Québec cercano di impedire la progressiva marginalizzazione della lingua francese, anche nei confronti delle logiche del mercato.

    La lingua di una minoranza non rimane viva per miracolo. Rimane viva quando esistono diritti effettivi e strumenti per farli rispettare, e quando i rapporti di forza non possono agire senza briglie.

    Mark Carney ha scelto di non sacrificare questi diritti al neoliberismo e alle pressioni di Donald Trump — un approccio che anche alle nostre latitudini meriterebbe qualche riflessione.

    In Sudtirolo, invece, c’è ancora chi considera eccessivo che l’uso di una lingua minoritaria debba venire garantito dalle pubbliche amministrazioni.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Im Sinne des Gemeinwohls.
    Quotation: In Erinnerung an Hermann Atz

    [Es hat] einen grundlegenden Wertewandel in der Gesellschaft gegeben, von einer Orientierung an Pflichten und Verantwortung für die Gemeinschaft hin zu einer radikalen Individualisierung, in der es vor allem um Selbstverwirklichung geht. Politik wird folglich mit den Augen von Konsumenten betrachtet und bewertet: Was bietet sie mir, wer nützt meinen Interessen am meisten, welche „Marke“ passt am besten zu mir? Da die Aufgabe der Politik jedoch darin besteht, allen im Sinn des Gemeinwohls bestimmte Opfer abzuverlangen, […], ist die Enttäuschung unausweichlich. [Die] herrschende Politik muss […] wieder Ziele für die Gesamtgesellschaft im Land und weltweit formulieren und realistische Wege aufzeigen, wie diese zu erreichen sind. Dafür wird es notwendig sein, weniger auf gut organisierte Interessensgruppen zu hören und keine Versprechen zu geben, die nach den Wahlen nicht einlösbar sind. Und die Wählerinnen und Wähler müssen genau hinhorchen und abwägen, wem sie wirklich glauben und ihr Vertrauen schenken.

    Hermann Atz 2023 in einem Essay für das Magazin “Kompass”

    Der Politikwissenschaftler und Mitbegründer des Sozial- und Marktforschungsinstituts Apollis, Hermann Atz (73), ist am vergangenen Samstagnachmittag bei einem Kletterunfall in den Dolomiten ums Leben gekommen. Atz war eine Stimme der Sachlichkeit im häufig von Polemik dominierten Politbetrieb. Er war eine Stimme der Besonnenheit in einer marktschreierischen Welt. Durch seine Forschungen und Erhebungen hat er wesentlich dazu beigetragen, dass es in Südtirol in vielen Bereichen belastbares Datenmaterial gibt. Auch hat immer wieder auf Zahlen und Studien von Hermann Atz und Apollis zurückgegriffen. Südtirol verliert mit ihm einen hervorragenden Wissenschaftler und einen kritisch-neutralen Kommentator. R.I.P.

    Cëla enghe: 01 02



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  • Familienbande.
    Italienische Kultur

    Vor wenigen Monaten ist der Ressort- und Amtsdirektor für italienische Kultur Antonio Lampis nach 29 Dienstjahren in der Landesverwaltung in den Ruhestand getreten. Wie nun Valentino Liberto für Salto detailreich nachzeichnete, tritt mit Gabriele Giovannetti Melchiorri ausgerechnet der Stiefsohn von Alessandro Urzì (FdI) in Lampis’ Fußstapfen.

    Damit wird er zum höchsten Beamten im Zuständigkeitsbereich eines Parteikollegen von Urzì, LH-Vize Marco Galateo.

    Dass auch die Gesinnung stimmt, zeigt die Tatsache, dass es Giovannetti Melchiorri 2015 für die rechte Kleinpartei seines Stiefvaters, A. Adige nel Cuore (AAnC), in den Bozner Gemeinderat schaffte — bevor er 2020, als AAnC mit FdI fusionierte, als Spitzenkandidat der rechten Liste Oltre/Weiter wiedergewählt wurde.

    Giovannetti Melchiorri kam übrigens nicht über den ordentlichen Auswahlweg zu seinem neuen Job als Ressortdirektor. Vielmehr griff die Landesregierung auf die Möglichkeit einer Berufung von außen zurück. Nach geltendem Landesrecht setzt diese eine besondere und nachgewiesene berufliche Qualifikation voraus, die beim bereits vorhandenen Personal nicht vorzufinden ist.

    Laut Salto hatte Galateo Giovannetti Melchiorri bereits seit Beginn der Legislaturperiode als seinen Wunschkandidaten für die Ressortleitung im Auge. Bei der ersten externen Ausschreibung meldeten sich zwei Bewerberinnen aus dem öffentlichen Dienst. Galateo widerrief daraufhin das Verfahren. Erst nach einer Wiederholung kam es nun — dank besonderer Qualifikation des Kandidaten — zur erwünschten Auswahl.

    Hinweis: Ob Giovannetti Melchiorri auch im rechtlichen Sinn Stiefsohn von Alessandro Urzì ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Cëla enghe: 01 02 03



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