An einem aktuellen Beispiel lässt sich wieder einmal hervorragend beobachten, wie beharrlich die italienischen Landesräte an der Marginalisierung der Minderheiten und an der schleichenden Zurückdrängung der deutschen Sprache arbeiten. Den deutschen Regierungsmitgliedern scheint dies bestenfalls gleichgültig zu sein.
Schon 2024 hatte LH-Stellvertreter Marco Galateo (FdI) bei seinen Pressekonferenzen plötzlich die italienische Flagge eingeführt, die es zuvor an dieser Stelle nicht gab. Seither entfaltet sie dort ihre mehr als nur symbolische Wirkung. Da sie zudem zentral positioniert wird, verdrängt sie das Land Südtirol — im Landhaus! — auch »protokollarisch«.

Landespressekonferenz: LR Luis Walcher (SVP), LRin Ulli Mair (F) und LH-Stv. Marco Galateo (FdI) (Quelle: LPA/Mauro Brucculeri)
Der jetzige Fall betrifft eine gemeinsame Pressekonferenz von Galateo, Luis Walcher (SVP) und Ulli Mair (F). Selbst bei einem solchen Anlass ließ es sich der rechte Haudegen natürlich nicht nehmen, die italienische Staatsflagge aufstellen zu lassen. Da die anderen Koalitionspartner, insbesondere der Seniorpartner SVP, dem offenbar nichts entgegenzusetzen haben, setzt sich die Symbolik der nationalistischen Rechten Schritt für Schritt durch.

Landespressekonferenz: LR Luis Walcher (SVP) und LR Marco Galateo (FdI), Symbolik, Sprachreihung (Quelle: Rai)
Doch damit nicht genug: Auch die Sprachreihung lassen die italienischen Landesräte inzwischen systematisch von Deutsch-Italienisch auf Italienisch-Deutsch umstellen, wenn sie Deutsch nicht ganz weglassen (s. Bild unten). Wie die Einführung der Trikolore mag dies manchen vielleicht nebensächlich erscheinen, ist aber äußerst wirksam. Wenn Deutsch selbst auf Landesebene zur Zweitsprache wird, vermittelt dies nämlich unterschwellig eine Hierarchie — umso mehr, als es die Sprache der Bevölkerungsmehrheit ist, die hier marginalisiert wird.

Landespressekonferenz: einsprachige Tabelle (Quelle: Rai)
Zumindest — aber längst nicht nur — im Zuständigkeitsbereich der italienischen Landesräte ist es jetzt schon so weit.
Solche Verschiebungen erfolgen praktisch ausnahmslos in dieselbe Richtung. Bei staatlichen Einrichtungen ist es so gut wie nie der Fall, dass Deutsch erstgereiht wird, obwohl dies im Sinne eines wirkungsvollen Minderheitenschutzes wäre (vgl.). Im Gegenteil: Oft muss man schon froh sein, wenn Deutsch überhaupt wie vorgeschrieben berücksichtigt wird — womöglich auch noch gleichwertig und einigermaßen fehlerfrei. In sehr vielen Fällen geschieht das nicht.
Die Gemeinde Bozen verabschiedet sogar Resolutionen, wenn die italienische Sprache irgendwo nicht erstgereiht ist. Wird hingegen im Stadtviertel mit dem größten deutschen Bevölkerungsanteil irgendwo Deutsch vor Italienisch gereiht, ruft dies prompt die empörten und übereifrigen italienischen Medien auf den Plan.
Als Walcher aufgrund seiner Zugehörigkeit zur deutschen Sprachgruppe Vizebürgermeister der Landeshauptstadt war, sprach er bei den Pressekonferenzen so gut wie nie Deutsch. Geschweige denn, dass er versucht hätte, irgendetwas an der etablierten Sprachreihung zu ändern.
Kaum war nach der letzten Sprachgruppenzählung bekannt geworden, dass die Italienerinnen in Meran die Deutschen knapp überholt hatten, argumentierten Vertreterinnen von FdI jedoch bereits für eine Umkehrung der Sprachreihung.
Beim Land hingegen scheint man die nationalistischen Koalitionspartner nach Belieben schalten und walten zu lassen.

Landespressekonferenz: Sprachreihung (Quelle: Rai)
Dabei sind Galateo und LR Christian Bianchi (FI) noch nicht einmal in der Lage — oder willens —, bei den Pressekonferenzen neben Italienisch auch Deutsch zu sprechen, während alle deutschsprachigen Landesrätinnen Fragen in beiden Sprachen beantworten. Diese Tatsache schafft schon ein Ungleichgewicht zu Lasten des Deutschen. Sie allein sollte schon Grund genug sein, darauf zu bestehen, dass die italienischen Landesräte nicht auch noch die etablierte und auf Landesebene eigentlich selbstverständliche Sprachreihung umkehren.
Dass beide akribisch an einer ebenso schleichenden wie systematischen Italianisierung arbeiten, ist aber offensichtlich. Während es vielen Deutschsprachigen inzwischen wohl zu lästig ist, solchen Entwicklungen auch nur einen Gedanken zu widmen, verlieren nationalistische Akteure keine Sekunde. Wer all dies für bloße Zufälle hält, glaubt vermutlich auch an den Osterhasen — oder gar an die Vollautonomie.
Von den Regenbogenfarben war bei der Pressekonferenz übrigens keine Spur. Wie praktisch: Jetzt muss der passenderweise nicht nur sprachlichen, sondern auch sexuellen Minderheiten gegenüber feindlich eingestellte Vizelandeshauptmann im Juni gar nicht mehr — wie zunächst angekündigt — den Saal der Pressekonferenz meiden. So wie er die deutsche Sprache herabstuft, kann er jetzt auch den neuen Aufsteller bequem einrollen.
Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08
Europäische Minderheiten