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  • Südtiroler Geraunze.
    Brennerprotest


    Die Reaktionen auf die Brennerblockade zeigen es einmal mehr, Südtiroler Solidarität dürfen sich die Nordtiroler Autobahnanrainer nicht erwarten.

    Der Bürgermeister der Nordtiroler Gemeinde Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, kündigte vor einem Jahr schon die Blockade der Autobahn an. Mühlsteiger und seine Gemeinde wehren sich gegen das Überrolltwerden. Über ihre Köpfe hinweg wälzt sich der Transit, insgesamt mehr als 15 Millionen Fahrzeuge, Lkw wie Pkw. Bürgermeister Mühlberger, ein Tiroler Klimakleber. Viel zu lange warten sie schon auf Entlastung.

    Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter von der CSU geißelte die angekündigte Blockade als eine »Extremmaßnahme«. Stattdessen seien gemeinsame Gespräche notwendig. Empfiehlt der Bayer. Gerede. Bayern schaffte es bisher nicht, die Zulaufstrecken für den BBT zu planen.

    Mit Nachbarn geht man nicht so um, schimpfte Bernreiter in Richtung Tirol, das mit Blockabfertigungen und Nachtfahrverboten den »freien Warenverkehr« verunmögliche.

    Geht man so mit Nachbarn um?

    Die Folgen dieses freien Warenverkehrs sind bekannt. Die Belastung durch die Autoabgase scheint enorm zu sein. Laut der Umweltorganisation Legambiente sind die Werte katastrophal. Das bestätigt und belegt auch eine Studie der Alpenraumstrategie EUSALP der EU. So verursacht der Transport von Waren der Studie zufolge 1,1 Milliarden Euro an externen Kosten pro Jahr, die der Allgemeinheit in Form von Kosten für Umwelt, Gesundheit und verringerter Lebensqualität »angelastet« werden. Den Personenverkehr hinzugerechnet, ergibt sich gemäß der Studie sogar eine Summe von jährlich mehr als 2,1 Milliarden Euro. Geht man so mit Nachbarn um?

    Die Brennerautobahn verläuft oben am Berg, die Schadstoffe rieseln hinunter ins Tal. Dort leben kein Landeshauptmann, keine Landesrät:innen, keine Vertreter der Wirtschaft. Der bayerische Verkehrsminister hat dort sicherlich nicht sein Feriendomizil. Dort leben einfache Leute. Wie auch entlang und unterhalb der Autobahn im Eisack- und Wipptal.

    Bürgermeister Mühlsteiger wandte sich vehement gegen die Sanierung der Luegbrücke, forderte die Verlegung der Autobahn in den Berg hinein, statt der Megasanierung der Brücke eine Untertunnelung. Die Asfinag, Betreibergesellschaft der österreichischen Autobahnen, ließ Mühlsteiger und die Gemeinde Gries einfach abblitzen.

    Mühlsteiger kopiert jetzt mit der Blockade Fritz Gurgiser vom Transitforum Austria-Tirol. Der tat es schon öfters. Am 30. Mai legen die Grieser den Transit auf der Brennerautobahn lahm. Das Landesverwaltungsgericht genehmigte den Antrag des Bürgermeisters.

    Geifernde Aufregung

    Weder die Millionen Fahrzeuge noch die Belastung durch die Schadstoffe sorgen für politische Aufregung, aber sehr wohl der genehmigte Protest am 30. Mai.

    Die Asfinag kritisierte die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts, Ort und Zeitpunkt seien aus verkehrstechnischer Sicht höchst problematisch. Rai Südtirol kommentierte »Südtirol kritisiert Protest-Sperre scharf«. Südtirols Verkehrslandesrat Daniel Alfreider (SVP) befürchtet einen Verkehrskollaps mit weitreichenden Folgen für ganze Regionen. Er sei verwundert und verärgert über das Urteil, ließ Alfreider die Innsbrucker Verwaltungsrichter:innen wissen.

    Sein Chef, Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP), protestierte in Innsbruck und Wien gegen die richterliche Genehmigung der Brennerblockade. Er bat auch den italienischen Vizeministerpräsidenten Matteo Salvini (Lega) um eine Intervention. Der wird sich tierisch darüber gefreut haben. Ausgerechnet Salvini, der mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof die transiteinschränkenden Maßnahmen in Tirol zu Fall bringen will.

    Die Grieser hätten doch dem Beispiel der italienischen Bauern folgen können, die kürzlich am Brenner protestierten, ohne den Verkehr zu behindern, findet Kompatscher.

    Und deutlich ist auch die Kritik der Wirtschaftsverbände Südtirols: Völliges Unverständnis, völlig inakzeptabel, eine Radikalmaßnahme, ein massiver Schlag gegen die gesamte Südtiroler Wirtschaft, ein verkehrstechnischer und wirtschaftlicher Ausnahmezustand mit »verheerenden Auswirkungen auf Betriebe, Lieferketten und die Versorgungssicherheit im ganzen Land.« Kurz, Südtirol in Not.

    Auch die Frächter blockierten

    In den 1990er Jahren gab es mehrere Blockaden der Frächter, betroffen war damals die Inntalautobahn. 2004 organisierten die Frächter eine weitere Totalblockade, kritische Wortmeldungen blieben aus. Ging es doch um den freien Warenverkehr. Ungeniert behinderten die Frächter 2007 die Autobahn bei Trient.

    Wie auch immer. Die Aufregung der Wirtschaft verwundert. Der 30. Mai ist ein Samstag, da gelten – am Sonntag ebenso – Lkw-Fahrverbote. Wie auch in Österreich. Und in Italien ist der 2. Juni ein Feiertag, Tag der Republik. Auch da dürfen keine Lkw fahren. Was soll also das Geschwafle von unterbrochenen Lieferketten, gefährdeter Versorgungssicherheit? Das ist doch Panikmache — böser formuliert: Hetze.

    Statt zu jammern und zu klagen, um Interventionen zu betteln, sollten die Verantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer Arge Alp – sie haben einen Monat Zeit – Lösungen ausarbeiten. Dafür wurden sie ja gewählt, um Probleme zu lösen.

    Eine Untersagung der Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung am Brenner und im Wipptal »mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen, führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum«, entschied das Gericht.

    Cëla enghe: Demo auf Brennerautobahn führt Ende Mai zu Totalsperre | BR24


    Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen.· I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Immer mehr Italienerinnen gegen Zweisprachigkeitsnachweis.
    Sprachbarometer 2025

    Am 22. April hat an der Eurac eine Tagung zum 50-jährigen Bestehen des Sprachgruppenproporzes stattgefunden, die Andreas Gufler Oberhollenzer in einem Gastbeitrag für zusammengefasst hat. Seinen Ausführungen ist zu entnehmen, dass Eurac-Wissenschaftler Andrea Carlà in seinem Beitrag und in der anschließenden Diskussion unter anderem folgende Behauptungen aufgestellt hat:

    1. Dass es in Südtirol eine Art vertikale Segregation nach Sprachgruppen gebe, wobei Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung häufig deutscher, aber nur selten italienischer Muttersprache seien. Dazu fehlten jedoch empirische Studien.
    2. Dass in Südtirol niemand die Zweisprachigkeit infrage stelle.

    Zur ersten Behauptung habe ich bereits in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass es mit »Ethnische Differenzierung und soziale Schichtung in der Südtiroler Gesellschaft« sehr wohl eine einschlägige Studie gibt, die im Übrigen zum Schluss kommt, dass eine vertikale Segregation nicht nachweisbar ist.

    Auch bezüglich seiner zweiten Behauptung liegen Daten vor, nämlich im ASTAT-Sprachbarometer 2025. Demnach sprechen sich inzwischen 40 Prozent der Südtirolerinnen italienischer Muttersprache für die Abschaffung des Zwei- bzw. Dreisprachigkeitsnachweises als Voraussetzung für die Aufnahme in den öffentlichen Dienst aus. Nur noch 37 Prozent wollen diesen zentralen Pfeiler unserer Autonomie und des Minderheitenschutzes beibehalten.

    Der Anteil jener, die eine Abschaffung des Zwei- bzw. Dreisprachigkeitsnachweises im öffentlichen Dienst befürworten, ist innerhalb eines Jahrzehnts um 11 Prozentpunkte bzw. rund 38 Prozent gestiegen. Bemerkenswert ist dabei, dass — anders als in der deutschen Sprachgruppe — die Zustimmung zur Abschaffung mit steigendem Bildungsgrad zunimmt.

    Sowohl unter den Deutschen als auch unter den Ladinerinnen liegt der Anteil derer, die die Verpflichtung zum Sprachnachweis abschaffen möchten, bei vergleichsweise niedrigen, aber nicht vernachlässigbaren 14 Prozent.

    Natürlich ließe sich argumentieren, dass die Abschaffung der Nachweispflicht nicht automatisch die Abschaffung der Zwei- bzw. Dreisprachigkeit bedeutet. Wenn aber ein so großer Anteil der italienischen Sprachgruppe das wichtigste — und nach internationalen Standards wohl gebräuchlichste — Instrument zum Nachweis von Sprachkenntnissen ablehnt, fällt es schwer, etwas anderes zu vermuten.

    Hier verabschiedet sich die Titularnation zumehmend vom Konsens, auf dem unsere Autonomie und insbesondere der Minderheitenschutz beruhen. Sie tut dies, indem sie sich auch immer mehr von den Vorstellungen der deutschen und ladinischen Sprachgruppe entfernt. Da die Italienerinnen wissen, dass sie am wenigsten von einer Abschaffung der Zwei- bzw. Dreisprachigkeitspflicht zu befürchten hätten, kann man dies auch als eine Form der Entsolidarisierung werten.

    Die Aussage, dass in Südtirol »niemand« die Zweisprachigkeit infrage stelle, erscheint vor diesem Hintergrund jedenfalls sehr gewagt. Auch die Reaktionen auf den Fälschungsskandal (vgl.) sind ein guter Indikator für die auseinanderklaffenden Vorstellungen und Befindlichkeiten.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • ›Daten des Kundens.‹
    Wenn Kulturinstitutionen die Kultur der Sprache vergessen


    von Brennglas1Name ist uns bekannt

    Das Stadttheater Bozen verkauft Tickets online. Was dabei auf Deutsch erscheint, lässt zu wünschen übrig – und das ist symptomatischer, als es zunächst scheint.

    Es sind kleine Fehler. Fast zu klein, um Empörung zu rechtfertigen. Und genau das ist das Problem.

    Ich habe auf der Website des Stadttheaters und Konzerthauses Bozen neulich einige Tickets gekauft. Da ist mir eine sprachliche Melange begegnet, die man sich in einem Kulturbetrieb eigentlich kaum vorstellen mag: deutschsprachige Benutzeroberflächen, in denen plötzlich ganze Abschnitte auf Italienisch erscheinen. Bezahlhinweise auf Italienisch, Schaltflächen wie »Prosegui con altri acquisti« ohne Übersetzung, mitten im deutschen Text. Und das grammatikalisch fragwürdige »Daten des Kundens«, dort, wo es selbstverständlich »Kundendaten« oder wenigstens »Daten des Kunden« heißen müsste.

    Nun könnte man einwenden: Nicht alles liegt in der Hand des Theaters. Der Bestellprozess läuft womöglich über einen externen, gesamtstaatlichen Anbieter, der die Zweisprachigkeit nicht vollständig gewährleistet. Das mag sein – und ist dennoch keine Entschuldigung. Denn erstens gilt diese Erklärung nicht für den deutschen Grammatikfehler, der hausgemacht ist. Und zweitens: Wenn eine Institution, die für sich beansprucht, im kulturellen Herzen einer zweisprachigen Gesellschaft zu wirken, bei der Beauftragung externer Dienstleister die Sprachqualität nicht als Mindestanforderung definiert – was sagt das dann über ihre tatsächliche Haltung zur Sprache aus?

    Eine Institution, die Kultur vermittelt, trägt auch eine Verantwortung für die Sprache, in der sie kommuniziert. Diese Verantwortung endet nicht an der Schnittstelle zum Dienstleister.

    Theater, Konzerthäuser, Museen – sie sind keine Supermärkte (wobei das Recht auf die eigene Muttersprache auch dort keine Selbstverständlichkeit ist – aber das wäre ein Thema für sich). Sie verkaufen nicht irgendein Produkt. Sie behaupten, Bedeutung zu schaffen. Und die Bedeutung von Sprache ist nirgendwo augenfälliger als in einer Gesellschaft wie Südtirol.

    Bezahlhinweise ausschließlich auf Italienisch, Übersetzung fehlt vollständig.

    Das Digitale ist heute ein primärer Raum, in dem Sprache stattfindet. Wer dort auf Sorgfalt verzichtet – ob aus Gleichgültigkeit, Ressourcenmangel oder schlichter Gewöhnung –, leistet einen Beitrag zu jenem schleichenden Prozess, der einen Domänenverlust beschreibt: dem Rückzug einer Sprache aus bestimmten Lebensbereichen. Nicht durch politische Verbote, sondern durch Unterlassen.

    Bilder zum Vergrößern anklicken (links: »Daten des Kundens« → »Kundendaten« / »Daten des Kunden« | rechts: Informationen zur Ticketabholung ausschließlich auf Italienisch)

    Die Botschaft, die solche Fehler senden, ist subtil und deshalb umso wirkungsvoller: Hier spielt Sprache keine besondere Rolle. Für ein Kulturhaus ist das eine bemerkenswert unglückliche Botschaft.

    Es wäre eine Kleinigkeit, das zu ändern. Und eben das macht es so schwer zu erklären, warum es noch nicht geschehen ist.

    Cëla enghe: 01 02

    • 1
      Name ist uns bekannt

    Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen.· I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Mussolini gegen Streichung der Ehrenbürgerschaft.

    Der Regionalrat von Trentino-Südtirol verabschiedet einen antifaschistischen Beschlussantrag, der unter anderem die Aberkennung von Ehrenbürgerschaften an Benito Mussolini fordert.

    Was macht man da als »seriöse« italienische Tageszeitung? Genau: Man fragt — natürlich ohne jede Distanzierung und kritische Einordnung — bei der Enkelin des Duce nach, ob das sinnvoll ist. Sie muss es ja wissen.

    Titelseite Corriere (Südtirolbeilage) vom 28. April 2026 – Ausschnitt

    Gleich von der Titelseite des heutigen Corriere (Südtirolausgabe) weg darf sich also Edda Negri Mussolini, die den Nachnamen ihres Großvaters sogar erst 2012 im Erwachsenenalter — also bewusst — angenommen hat, darüber auslassen, wie überflüssig und was für eine Zeit- und Geldverschwendung das doch wäre.

    Unwidersprochen schildert sie einer Südtiroler Leserinnenschaft auch noch Mitleid heischend die angeblichen Ungerechtigkeiten, die ihrer Familie widerfahren seien sowie die Anfeindungen und Diskriminierungen, die sie mit ihrem Nachnamen — dem Namen eines der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts — zu ertragen habe. Über das ungleich größere Leid, das ihr Großvater über Europa und die Welt (und eben auch über Südtirol) gebracht hat, verliert sie hingegen kein einziges Wort. Im Gegenteil darf sie abschließend noch erklären, dass der Tag der Befreiung vom Faschismus am 25. April für sie »nichts anderes« sei als der Todestag ihrer Mutter im Jahr 1968.

    Wie tief kann man als Medium eigentlich noch sinken?

    Da der Beschlussantrag auch den Nationalsozialismus und andere Totalitarismen erwähnt, dürfen wir uns wohl bald auch auf Einschätzungen aus dem familiären Umfeld von Adolf Hitler, Josef Stalin oder Mao Zedong freuen. Ihnen jetzt ebenfalls das Wort zu erteilen, wäre so wichtig.

    Übrigens: Angst macht Edda Negri Mussolini Italien (s. Titel des Zeitungsartikels) selbstverständlich nicht wegen des wiederauferstehenden Faschismus, sondern wegen der Gewalt in Filmen, Videospielen und sozialen Medien.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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  • ›Minderheitenrechte dürfen nicht vom politischen Klima abhängen.‹


    FUEN-Präsidentin Olivia Schubert in Südtirol auf der Suche nach Solidarität und Unterstützung

    FUEN-Präsidentin Schubert war Gast der Versammlung des Südtiroler Volksgruppen-Instituts (SVI). Ein Gastspiel. Das Institut »begleitete« in der Vergangenheit das politische Lobbying der FUEN für europaweite Minderheitenrechte. Der ehemalige langjährige Leiter des Instituts, Professor Christoph Pan, war auch Vorsitzender der FUEN.

    Die Verbindungen sind also eng, Institutsleiter Paul Videsott beschreibt das SVI gar als den wissenschaftlichen Arm der FUEN. So arbeitete das SVI bei den Europarats-Dokumenten Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten und Sprachencharta mit.

    Schubert war also zu Gast bei engen Freunden. In ihrem Vortrag griff sie die politische Großwetterlage auf, den russischen Krieg in der Ukraine, den US-amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran, die damit ausgelöste wirtschaftliche Krise. Sie hofft, sagte sie, »dass das geopolitische Umfeld nicht noch schlechter wird und keine weiteren Krisen zu den vielen bereits schwelenden dazukommen.«

    Diese Krisen und Kriege wirken sich nämlich negativ auf Minderheiten aus, warnte Schubert: »In Krisenzeiten neigen Politiker stark dazu, Minderheitenfragen unter Sicherheitsaspekten in den Fokus zu nehmen, weniger als grundlegende Menschenrechtsfrage. In solchen Zeiten werden oft auch Sprachenrechte im Namen der nationalen Einheit infrage gestellt.« Eine unmissverständliche Analyse.

    FUEN sucht Hilfe bei der UNO

    Eine einheitliche Antwort darauf sei notwendig, sagte Schubert.

    Sie forderte, dass die EU-Kommission eine institutionelle Ansprechstelle für die nationalen Minderheiten einrichtet. Daran drückte sich die EU bisher erfolgreich vorbei. Da die EU zögert, sich mit Minderheitenfragen zu befassen, müssen die Minderheiten Europas bei der Schaffung und Stärkung rechtlicher Schutzmechanismen verstärkt mit den Vereinten Nationen und dem Europarat zusammenarbeiten, ist Schubert überzeugt. In diesem Sinne traf sie vor einigen Wochen den UN-Sonderbeauftragten Nicolas Levrat.

    Schubert-Vorgänger Lóránt Vincze schaffte es im Zusammenspiel auch mit Ungarn, die von der Europäischen Akademie in Bozen in ihren Grundzügen entworfene Minority-SafePack-Initiative zu einer der erfolgreichsten europäischen Bürgerinitiativen zu pushen. Vincze, Angehöriger der starken und selbstbewussten ungarischen Minderheit im rumänischen Siebenbürgen, wurde aber auch vorgeworfen, übermäßig die Nähe zum inzwischen abgewählten illiberalen ungarischen Ministerpräsidenten Orbán gesucht zu haben.

    Obwohl die FUEN-Minderheiteninitiative erfolgreich war, erklärte sich die EU-Kommission als Kartell der Nationalstaaten für nicht zuständig. Die mehr als eine Million Unterschriften scherten die Kommission nicht. Eine doch undiplomatische Ohrfeige.

    Als einen »Rückschlag« bezeichnete Schubert, Angehörige der deutschen Minderheit Ungarns, das Ausbremsen der Initiative. Schubert betonte: kein Niederschlag, kein Scheitern, sondern ein Rückschlag. Darin sind die kulturellen, sprachlichen und nationalen Minderheiten seit langer Zeit geübt.

    »Die Entscheidung der Kommission kann das Netzwerk der Solidarität, das wir aufgebaut haben, nicht auslöschen«, begründete Präsidentin Schubert ihre Einschätzung, die Initiative stärkte untereinander die vielfältigen Beziehungen. Die in der Initiative formulierten Ziele und Maßnahmen werden weiterhin verfolgt. Inzwischen auch niedergeschrieben im »Minderheiten-Manifest für die Zukunft«, ein Dokument, das von mehreren minderheitlichen NGO mitgetragen wird.

    Südtirol für Minderheiten in Europa?

    Auch deshalb war Olivia Schubert in Südtirol, sie hofft auf die Südtiroler Unterstützung. Immerhin mobilisierte auch die Südtiroler Volkspartei ihre Mitglieder und Wählenden für die Bürgerinitiative der FUEN. SVP-Politiker:innen engagierten und engagieren sich für den europäischen Minderheitendachverband als Präsidenten, Vize und Präsidiumsmitglieder.

    Schubert nannte namentlich den langjährigen Institutsleiter Christoph Pan. Er brachte beispielsweise nach der Wende 1989/90 beim Aufbau der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, der Donauschwaben, sein Wissen und seine Erfahrungen ein.

    Das Südtiroler Volksgruppen-Institut versorgt die minderheitlichen Aktivist:innen auch mit theoretischen »Instrumenten«, mit der wissenschaftlichen Zeitschrift Europäisches Journal für Minderheitenfragen (EJM). Das SVI organisiert den Erfahrungsaustausch und forscht in Volksgruppen- und Autonomiefragen.

    Gespräche führte die FUEN-Präsidentin auch mit den Wissenschaftler:innen der Europäischen Akademie, die mit drei Instituten auch die Themen Minderheitenrechte, Autonomie und Föderalismus bearbeitet.

    Man könnte meinen, Schubert sei mit ihren Anliegen in Südtirol gut aufgehoben. Über weite Strecken trifft dies auch zu. So finanziert das Land die Arbeit der Eurac satt (die Grundfinanzierung für den Zeitraum 2025/27 beträgt mehr als 93 Millionen Euro) und auch das Volksgruppen-Institut, aber eher dürftig, es sollen nur 35.000 Euro sein. Noch überschaubarer ist die Unterstützung der FUEN durch das Land, 15.000 Euro. Bei einem Haushalt, der fast schon die Marke von zehn Milliarden Euro erreicht. Die Region steuert weitere 35.000 Euro bei. Eine doch dünne finanzielle Solidarität.

    Für die Einfahrt in das Südtiroler Olympiatal Antholz sponserte das Land die Installationen von »Olympia-Steinen«, Kostenpunkt eine halbe Million Euro. Dem Künstler sei es gegönnt. Aber: das sagt doch viel über Prioritäten aus.

    Cëla enghe:


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  • Coldiretti missbraucht wieder den Brenner.

    Schön langsam wird es zu einer — unangenehmen — Gewohnheit: Die italienische Bauernlobby platziert sich am Brenner, um mit klar gastronationalistischem Ton an der (angeblichen) »Grenze der Nation« gegen Waren aus dem Ausland zu protestieren. Auch jetzt wieder.

    Gemeinsam mit italienischen Ordnungshütern werden dann unter Slogans wie »Stoppen wir das gefälschte italienische Essen – NofakeinItaly«1Übersetzung von mir – Original: »Fermiamo il falso cibo italiano – NofakeinItaly« und »Hände weg vom Made in Italy«2Übersetzung von mir – Original: »Giù le mani dal Made in Italy« öffentlich Lkws inspiziert, die den Brenner Richtung Süden überqueren, also im Grunde Selbst- und Schaujustiz betrieben, die eines Rechtsstaates unwürdig ist.

    So »kontrollierte« Lkws sollen sogar mit einem speziellen Aufkleber der Aktion markiert werden.

    Quelle: Rai

    Dass Coldiretti für dieses sich wiederholende, unwürdige Spektakel ein Land wie Südtirol ausgewählt hat, wo die Staatsgrenze und der Grenzabbau eine ganz besondere Bedeutung haben, macht die Angelegenheit noch einmal kritikwürdiger.

    Doch anstatt die Vereinnahmung zu verurteilen, beteiligt sich die Südtiroler Landesregierung auch noch direkt an dem Theater. So soll Medienberichten zufolge LH-Vize Marco Galateo von den neofaschistischen Fratelli d’Italia gemeinsam mit dem Trentiner LH Maurizio Fugatti (Lega) vor Ort gewesen sein, um den Landwirten seine Unterstützung zu beweisen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04

    • 1
      Übersetzung von mir – Original: »Fermiamo il falso cibo italiano – NofakeinItaly«
    • 2
      Übersetzung von mir – Original: »Giù le mani dal Made in Italy«


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  • 50 Jahre Proporz – zur Veranstaltung der Eurac.


    von Andreas Gufler Oberhollenzer

    An der Eurac fand am 22. April eine Tagung zum 50-jährigen Bestehen des ethnischen Proporzes statt. Ich habe die Veranstaltung vor allem deshalb besucht, weil ich sehen wollte, wer über den Proporz in Südtirol diskutiert und eben auch, was diskutiert wird. Eines vorweg: Es waren vor allem Akademiker:innen und medial bekannte Personen; die Tagung war sehr zahlen- und statistiklastig.

    Im Folgenden möchte ich Teile der Tagung kurz zusammenfassen und manchmal einen kritischen Blick darauf werfen. Insgesamt waren zehn Vorträge zum Proporz geplant, wovon der Vortrag von Karin Ranzi über die »Wahrung der Zwei- und Dreisprachigkeit« krankheitsbedingt ausgefallen ist. Sieben Vorträge waren auf Deutsch, einer auf Englisch und einer auf Italienisch. Die Veranstaltung war in drei Panels aufgebaut, nach denen Teilnehmer:innen der Tagung den Vortragenden Fragen stellen konnten. Am Ende der Tagung war noch eine Diskussionsrunde geplant, bei der ich aber nicht mehr anwesend war.

    Marc Röggla eröffnete die Tagung und switchte bei seiner Rede zwischen Italienisch und Deutsch. Er wies auf die Kontroversität des Proporzes in Südtirol hin; früher sei der Proporz besser angesehen gewesen als heute, wo man schnell als »Ewiggestriger« gelte. Auch gab Röggla zu bedenken, dass viele junge Südtiroler:innen gar nicht wüssten, was der Proporz ist. Dies hat sich auch im Publikum gezeigt: Es waren nur sehr wenige junge Menschen anwesend. Röggla wünscht sich, mit dieser Veranstaltung einen Diskussionsraum über den Proporz zu schaffen.

    Der Proporz im Laufe der Zeit

    Oskar Peterlinis Vortrag begann mit einem Abriss über die steinige Geschichte der Autonomie, beginnend beim Faschismus. Anschließend präsentierte Peterlini die historische Verteilung von öffentlichen Stellen bei Land und Staat, verteilt nach den drei Sprachgruppen, und konstatierte schließlich einen Rückgang von Staatsbediensteten der deutschen und ladinischen Sprachgruppe. Peterlini nannte dabei mögliche und sehr valide Gründe für diese Entwicklung: Braindrain, wirtschaftliche Gründe, Geburtenrückgang, mehr Arbeitsmöglichkeiten deutsch- und ladinischsprachiger Menschen in der Landwirtschaft.
    Aber was ist mit strukturellen Gründen, die mit dem Staatsdienst selbst zu tun haben? Sind staatliche Behörden in Südtirol so strukturiert, dass Zwei- bzw. Dreisprachigkeit gewährleistet ist? Sind Computerprogramme und interne Mitteilungen in der jeweiligen Muttersprache verfügbar? Kann man bei Besprechungen oder im Team Deutsch oder Ladinisch reden? Natürlich könnte man einwenden, dass jede:r Staatsbedienstete in Südtirol – wenigstens theoretisch – die Landessprachen Deutsch und Italienisch beherrschen müsse, trotzdem macht es etwas aus, ob man im Arbeitsumfeld seine jeweilige Muttersprache verwenden kann/darf oder eben nicht. Vielleicht könnte das auch ein Grund sein, wieso Deutschsprachige und Ladinischsprachige nicht so gern im Staatsdienst tätig sind.

    Die »vorübergehende« Durchführungsbestimmung

    Peterlini erwähnte auch die neue, »vorübergehende« Durchführungsbestimmung 97/2025, die es erlaubt, den Proporz bei öffentlichen Stellen zu umgehen und Menschen in Abweichung der Proporzregelungen und dabei auch ohne Zweisprachigkeitsnachweis befristet anzustellen. Diese Regelung greift, wenn mindestens 10 Prozent Personalmangel vorherrscht, was laut Peterlini aktuell auf jede Behörde zutreffen würde. Kritisch sieht Peterlini vor allem auch, dass es dabei keinen Zweisprachigkeitsnachweis mehr braucht, und beschreibt dies als Rückschritt – zurecht, wie ich finde. Peterlini betonte aber, dass es eine »vorübergehende« Regelung sei, sogar der Landeshauptmann habe ihn am Morgen der Tagung angerufen und gebeten, zu erwähnen, dass diese Regelung »vorübergehend« sei.

    Vorübergehend bedeutet in dem Falle wahrscheinlich aber auf unbestimmte Zeit, bis eine neue Regelung verabschiedet wird. Wenn man sich die entsprechende Durchführungsbestimmung 97/2025 anschaut, gibt es kein festgesetztes Datum, ab wann diese ausläuft.

    Peterlinis Fazit zum Proporz lautet, dass er heutzutage weniger als Schutzinstrument von Minderheiten dient als früher.

    Die Sprachgruppenzählung

    Beim Vortrag von Timon Gärtner, Geschäftsführer des ASTAT, ging es um die Sprachgruppenzählungen, die alle zehn Jahre durchgeführt werden müssen, damit der Proporz berechnet werden kann. Gärtner referierte über die administrativen und methodischen Herausforderungen einer solchen Zählung, ferner resümierte er auch positiv über die bei der letzten Zählung erstmals eingeführte Online-Abstimmung. Gärtner gab auch einen Überblick über den rechtlichen Rahmen der Sprachgruppenzählung, die nun, im Gegensatz zu früher, von der allgemeinen Volkszählung entkoppelt wurde und als eigenständige statistische Erhebung durchgeführt wird. Bei der Informationskampagne für die letzte Sprachgruppenzählung, erzählte Gärtner, wäre man bemüht gewesen, in Gherdëina und Val Badia die jeweiligen Informationen auch in den ladinischen Sprachidiomen zur Verfügung zu stellen.

    Missbrauchsanfälligkeit der Sprachgruppenzählung

    Um bei der Sprachgruppenzählung teilnehmen zu können, braucht man die italienische Staatsangehörigkeit und den Wohnsitz an einem Stichtag (30. September 2023 bei der letzten Zählung) in Südtirol. Die letzte Voraussetzung scheint mir jedoch sehr anfällig für Missbrauch, und das habe ich bei der anschließenden Diskussion auch angemerkt. Im Gegensatz zur Ansässigkeitsklausel bei Wahlen, die (noch) vier Jahre beträgt, braucht man für die Sprachgruppenzählung lediglich die italienische Staatsangehörigkeit und eine eintägige Ansässigkeit zum Stichtag in Südtirol. Gärtner bestätigte auf meine Nachfrage hin, dass es zu Missbrauch hätte kommen können, vor allem durch die vielen Zweitwohnungen in Südtirol.

    Il «disagio» per la proporzionale?

    Andrea Carlà, Wissenschaftler an der Eurac, war der Einzige der Vortragenden, der auf Italienisch referierte. Sein Vortrag trägt den Titel »Il ‚disagio‘ per la proporzionale?« und bezog sich beim Begriff des disagio auf den Artikel »Il disagio degli italiani tra retorica e realtà« von Luca Fazzi. Carlà betrachtete den Proporz für seinen Vortrag rein in der Funktion der Vergabe von öffentlichen Stellen nach Sprachgruppen und sprach in seinem Vortrag von »Alto Adige« und »altoatesini«, was mich persönlich befremdet hat. Zudem habe man in Südtirol eine Art vertikale Segregation nach Sprachgruppen, wo es vor allem deutschsprachige Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung gäbe, wenig jedoch italienischsprachige; empirische Studien gäbe es dazu aber noch keine, merkte Carlà an. Der Proporz sei für viele Menschen in Südtirol zu etwas Nebensächlichem geworden, es gäbe zudem wenig Anreize für Menschen, öffentliche Stellen zu bekleiden, und für viele Menschen wichtigere Dinge als den Proporz. Carlà fragte (rhetorisch), ob der Minderheitenschutz nicht auch von anderen Instrumenten gewährleistet wird und so der Proporz obsolet würde, wies dabei aber gleichzeitig auf den aktuellen Skandal um die Fälschungen der Zweisprachigkeitszertifikate hin.

    Bei der anschließenden Diskussion merkte Carlà an, dass in Südtirol niemand die Zweisprachigkeit infrage stelle. Meines Wissens gibt es dazu aber auch keine empirischen Untersuchungen.

    Mindestquote für Ladiner:innen

    Für Ladiner:innen habe der Proporz auch Schattenseiten, meinte Sophie Mangutsch in ihrem Vortrag. Die Ladiner:innen machen zahlenmäßig (bei er letzten Sprachgruppenzählung) etwa 4,41 Prozent aus. Der Proporz schütze vor allem die großen Sprachgruppen Deutsch und Italienisch, nichtsdestotrotz denken Ladiner:innen, dass der Proporz auch für sie wichtig ist. Mangutsch weist darauf hin, dass viele Ladiner:innen aus den Tälern auswandern und sich dort dann seltener der ladinischen Sprachgruppe zugehörig erklären, was aber dann die ladinische Sprachgruppe an sich wieder schwächt. Dem könnte man laut Mangutsch entgegensteuern, wenn man eine Mindestquote für Ladiner:innen festlegt oder eben auch die Möglichkeit außerhalb der Täler schafft, dass Ladiner:innen Minderheitenrechte in Anspruch nehmen können.

    Es wird vorausgesetzt, dass man Spanisch spricht

    Eine andere Perspektive einer Minderheit, jene der Bask:innen, wurde von Maddi Dorronsoro Olamusu vorgestellt. Das Baskenland ist in eine französische Hälfte und eine spanische Hälfte geteilt. Dorronsoro Olamusu gab einen Überblick der Minderheitenrechte in der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlands (spanische Seite), die sich erst durch das Ende des Franco-Regimes entwickeln konnten. Im Gegensatz zu Südtirol gibt es keinen Proporz, sondern man muss, um ein öffentliches Amt zu bekleiden, je nach Berufsgruppe ein unterschiedliches Niveau Baskisch sprechen können. Es braucht kein Zweisprachigkeitszertifikat Spanisch-Baskisch, denn die Kenntnis der spanischen Sprache wird bereits vorausgesetzt.

    Bei der anschließenden Diskussion erzählte Dorronsoro Olamusu von einer persönlichen Erfahrung mit einer Behörde in der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlands, wo sie etwas in einer Behörde zu erledigen hatte. Die Beamtin in der Behörde hatte ein Schild, worauf stand, dass man langsam sprechen solle, da sie Baskisch lerne. Dorronsoro Olamusu hat aber gemerkt, dass die Beamtin einige Dinge auf Baskisch nicht verstanden hatte und hat dann schließlich auf Spanisch mit ihr geredet, um ihr Anliegen zum Abschluss zu bringen.

    Die Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung wie die Steuererklärung

    Verena Wisthaler präsentierte eine Studie – deren Titel mir leider entfallen ist –, wie Migrant:innen den ethnischen Proporz und auch die Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung sehen. Viele der Migrant:innen wüssten nichts bzw. sehr wenig über den Proporz in Südtirol. Die interviewten Migrant:innen würden den Proporz und die Teilnahme an Sprachgruppenzählungen als etwas sehen, was man für andere macht, weniger für sich selbst. Für viele Migrant:innen sei es zudem schwierig, sich für eine Sprachgruppe zu entscheiden, da sie sich oft keiner zugehörig fühlen. Ein:e Respondent:in in der Studie verglich die Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung mit einer Steuererklärung: Man müsse es irgendwann halt machen, aber es sei nichts Lebensbestimmendes.


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