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  • Einmal, immer?

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    5 Comentârs → on Einmal, immer?

    Sachsen-Anhalt ist blau eingefärbt, der Rest folgt demnächst

    Sachsen-Anhalt hat gewählt. Fast die Hälfte der Bürger:innenschaft votierte blau. AfD. Diese neue Volkspartei steht ganz weit rechts, ist nicht rechtspopulistisch, sondern rechtsradikal. Und das ist erst der Anfang vom Ende der liberalen Bundespolitik.

    Bei diesen Landtagswahlen waren mit dabei auf der Kandidatenliste ehemalige hohe DDR-Funktionäre. Eine ganze Riege linientreuer DDR-Spitzenleute, von inoffiziellen Mitarbeitern, die berüchtigten IM, Spitzeln, über hauptamtliche Stasi-Beamte sowie SED-Kader tummeln sich in der AfD. Nachvollziehbar die AfD-Sympathie für den russischen Kriegspräsidenten Wladimir Putin. Auch er ein Ehemaliger.

    Diese neue Volkspartei befindet sich in der Hand von ausgewiesenen Rechtsradikalen plus altgedienten DDR-Schergen. Es war wohl kein Zufall, dass auf einer AfD-Wahlkundgebung in Dessau in Sachsen-Anhalt die DDR-Hymne gesungen wurde. Das war ein schnuckeliger teutscher Staat, völkisch rein. Das Fernziel der AfD für Deutschland. Halt in blau, nicht braun.

    Fragt man Google, was die beiden Farben miteinander zu tun haben, »antwortet« die Suchmaschine folgendermaßen: »Die Mischung von Blau und Braun ergibt in der Regel einen dunklen, schlammigen Farbton, oft als Grau-Braun beschrieben.« Kurzum hässlich.

    Die deutsche Wiedervereinigung, damals wetterte noch der amtierende SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine auf weiter Politflur allein dagegen, war ein grandioser Fehler. Das liberal-demokratische Westdeutschland vereinigte sich mit einem Land, in dem zwei Totalitarismen sich vermengten, vermählten. Die ostdeutsche Identität war — ist — ein toxischer Mix aus NS-Reminiszenz und DDR-Nostalgie.

    Nicht von ungefähr versteht sich das BSW von der einstigen Linksradikalen Sahra Wagenknecht so gut mit der AfD. Eine Art Neuauflage der Allianz Ende der 1920er Jahre in der Weimarer Republik aus KPD und NSDAP. Eine Allianz, gerichtet ausschließlich gegen die Sozialdemokraten. Eine Allianz aus zwei Parteien, die sich demokratischen Wahlen stellten, aber nicht demokratisch waren. Das trifft auf die AfD zu, genauso auf das BSW.

    Absurderweise werfen die ostdeutschen AfD-Wählenden der BRD vor, eine DDR 2.0 zu sein. Ein Fall geistiger Umnachtung. Die Aufgebrachten fühlen sich bevormundet, in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt und ausgebeutet. Schräg, seit der Wiedervereinigung pumpte Westdeutschland mehr als zwei Billionen Euro nach Ostdeutschland. Ausgebeutet?

    Es mag viele Erklärungen geben, warum die rechtsradikale AfD auf Siegeskurs ist. Fehler der verschiedenen Regierungen in der Migrationspolitik, das Schönreden von Problemen, die die Migration verursacht, die geringen Löhne, die steigenden Preise, gleichzeitig cashen die Oligarchen unglaubliche Profite ab. Einige dieser Oligarchen, Nutznießer des Systems, sponsern die erklärte Anti-System-Partei AfD.

    Möglicherweise befeuern Missstände den AfD-Erfolg. Es gibt dafür eine Wählerbasis. In der sozial-liberalen Hochzeit der späten 1970er und 1980er Jahre belegten Studien, dass ein Drittel der Deutschen antisemitisch eingestellt waren und sind. Trotz Dritten Reichs und Holocaust sowie Zweiten Weltkriegs. Die Enkel dieser Antisemiten wählen heute AfD. Einmal Nazi, immer Nazi?

    Dies gilt für die FPÖ genauso, deren Vorläuferpartei von Nazis gegründet wurde. Heute tummeln sich in dieser blauen Partei jede Menge Rechtsradikale, Identitäre, »Arierknochen-Vermesser«, gewalttätige Frauenhasser und erklärte Demokratiefeinde.

    FPÖ-Vorsitzender Herbert Kickl, immer im Dienste seiner Partei, gepäppelt mit öffentlichen Geldmitteln, kennt keinen bürgerlichen Beruf. Kickl lebt im System vom System, das er heftig bekämpft. Kickl und seine Partei sind Teil des Systems, in der Steiermark stellen sie mit der ÖVP die Landesregierung, in fünf anderen Bundesländern sind sie Partner der ÖVP.

    Der selbsternannte Volks- und Friedenskanzler will ein anderes Österreich, eine Festung Österreich. Eine wohl bewusste Anleihe, die Nazis planten in der Endphase des Zweiten Weltkrieges Bayern und Österreich zur Alpenfestung auszubauen. Einmal Nazi, immer Nazi?

    Und in Südtirol koaliert die SVP mit den neofaschistischen Fratelli, den blauen Enkeln von Mussolini. Stärkste Kraft italienweit mit fast 27 Prozent, der Knallhart-Faschist Roberto Vannacci — auch er blau eingefärbt — kommt laut Umfragen auf acht Prozent.

    Die einstige Selbstbestimmungspartei, die Süd-Tiroler Freiheit, noch weiß rot, kopiert immer öfter und ungenierter die AfD. Wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis aus der Süd-Tiroler Freiheit die Alternative für Südtirol wird.

    Wir stecken im brauen Sumpf, damit rechnete vehement der Landtagsabgeordnete Andreas Leiter Reber ab. Er kritisierte freimütig den Umgang mit dem Rechtsextremismus in Südtirol.

    Jetzt werden sich jene melden, die darauf hinweisen, wir leben in einer Demokratie und Wählende haben immer Recht. Nur, die rechtsextremen Parteien sind gegen die Demokratie. Und warum darf man Wähler nicht beschimpfen, wenn sie antidemokratisch wählen?

    Der ostdeutschen Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk brachte es folgendermaßen auf den Punkt. AfD wählen ist kein Protest. AfD-Wählende kreuzen Rechtsradikale an, die sie im Gemeinderat, im Landtag oder im Parlament vertreten sollen. Wählende der AfD, die zweite Variante, sind rechtsradikal.

    Kowalczuk formulierte es so: »Wer Faschisten wählt, ist Faschist«. Dem ist nichts hinzuzufügen.


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  • Gånz herzlich.
    Quotation

    Bildausschnitt aus der Übertragung der Südtiroler Rai-Sender

    Es stimmt schon, als Tiroler und als Kaunertaler ist mir Südtirol besonders nahe.

    Signore e signori, an die Unterzeichnung des Pariser Vertrags vom 5. September 1946 — den 80. Jahrestag begehen wir ja heute — habe ich keine persönliche Erinnerung, då bin i jå erscht zwoaahålb Jåhr ålt gwest und hån lei ‘s Kaunertål ‘kennt.

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, i gratulier enk ålle, ålle mitanånd gånz herzlich, grazie mille, giulan, de gra.

    Details aus der Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen (bis 2016: Grüne) im Rahmen des heutigen Festakts zu 80 Jahren Pariser Vertrag im Kursaal von Meran – Transkription von mir

    Cëla enghe: 01 02



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  • Die Post italianisiert das Forstbier.

    Im Rahmen einer Serie, die den »Spitzenleistungen der [italienischen] Wirtschaft und des Made in Italy« gewidmet ist, hat die italienische Post auch dem Südtiroler Forst-Bier eine eigene Briefmarke gewidmet, deren Entwurf von Emanuela L’Abate stammt. Sie wurde gestern gemeinsam mit fünf weiteren Marken ausgegeben.

    Ausschnitt Website der italienischen Post

    Vom banal-nationalistischen Hintergrund einer solchen Briefmarkenserie einmal abgesehen, zeigt sich auch diesmal wieder zuverlässig die tief im Gencode des italienischen Nationalstaats eingeschriebene Assimilierungstendenz.

    Erst kürzlich mussten Briefmarken zur Rosengarten- und Latemargruppe zurückgezogen werden, weil die Bezeichnung der Region sowie der Berge nur auf Italienisch angegeben war.

    Auf der Forst-Briefmarke ist indes ein Bierglas mit dem Firmenlogo der Südtiroler Brauerei und dem Zusatz »dal 1857« zu sehen. Diesen Zusatz in italienischer Sprache gibt es aber auf den realen Forst-Gläsern gar nicht. Dort steht — auch wenn sich die Brauerei inzwischen zum offiziellen Sponsor der Alpini-Aufmärsche entwickelt hat — noch immer nur »seit 1857«.

    Das war für eine Briefmarke des so »minderheitenfreundlichen« italienischen Staates offenbar zuviel, sodass man sich zu einem sprachkorrigierenden Eingriff zur Unsichtbarmachung der Minderheitensprache entschied. 

    Die Minorisierung und Marginalisierung geht bis ins kleinste Detail und wird — wie man sieht — mit akribischer Perfektion umgesetzt. Es hätte nur noch gefehlt, dass man Forst mit dem erfundenen Ortsnamen »Foresta« übersetzt, doch eine derartige Entstellung einer Firmenbezeichnung wäre dann wohl doch zu weit gegangen.

    Darüber hinaus gibt es übrigens weder die Webseite, über die man die Briefmarke erwerben kann, noch irgendeine sonstige Zusatzinformation auch auf Deutsch.

    Dabei ist die italienische Post etwa bei ihrem eigenen Firmennamen — obwohl es sich um ein öffentliches Unternehmen handelt, das der Zweisprachigkeitspflicht unterworfen ist — höchst penibel und unflexibel: Auch auf Deutsch darf es ausschließlich Poste Italiane heißen, Übersetzung unmöglich.

    Bei anderen, insbesondere Minderheiten, ist man da viel weniger streng.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Aldo Mazza und Deutsch im Gesundheitswesen.

    Der Gründer der Sprachschule Alpha Beta, Aldo Mazza, hat zuletzt mehrere Vorschläge zur Reform der Sprachpolitik unterbreitet, insbesondere zur Zweisprachigkeit im Gesundheitswesen. Sie sind in einen gemeinsamen Beschlussantrag (Nr. 446/26) von Grünen und PD eingeflossen, dessen beschließenden Teil ich großteils relativ sinnvoll finde.

    Ich möchte hier aber einige Aussagen von Mazza, die in den Medien wiedergegeben wurden, kommentieren:

    [N]atürlich muss der Arzt gut sein, aber gut sein heißt auch, den Patienten zu verstehen und für ihn verständlich zu sein. Auf der anderen Seite gab es dieses Plakat der Südtiroler Freiheit [sic], auf dem man einen Toten sieht und den Spruch lesen kann „Der Arzt konnte kein Deutsch“. Dadurch entsteht der Eindruck, mangelnde Deutschkenntnisse würden Menschenleben gefährden. Eine solche Vereinfachung hilft uns nicht weiter.

    – Aldo Mazza im dieswöchigen ff-Interview

    Wiewohl ich die STF-Plakate (gelinde gesagt) wenig hilfreich fand, hat eine kanadische Studie aufgezeigt, dass es den Zusammenhang zwischen mangelnden Sprachkenntnissen und Gefährdung von Menschenleben sehr wohl gibt — und zwar in einem Ausmaß, das selbst mich überrascht hat.

    Nach dem Einstieg in die öffentliche Sanität haben ausländische Ärztinnen und Ärzte [in Deutschland] zwei Jahre Zeit, ihre Kenntnisse in der Fachsprache nachzuweisen. Ihre Kompetenzen in der ärztlichen Kommunikation werden gezielt geprüft. Diese Prüfung wird von Ärzten abgenommen. Es gibt sogar eine Simulation mit dem Patienten, bei der festgestellt wird, ob der Arzt imstande ist, eine Anamnese zu machen, mit Patienten verständlich zu kommunizieren und medizinische Sachverhalte nachvollziehbar zu erklären. An dieses Modell könnte sich Südtirol anlehnen. Also, drei Jahre Zeit für B2, dann weitere zwei Jahre für die Fachsprache, womit die Ärztinnen und Ärzte dem Niveau C1 gleichgestellt wären, und somit ihren endgültigen Vertrag hätten.

    – Aldo Mazza im dieswöchigen ff-Interview

    In Deutschland müssen Ärztinnen B2 zum Zeitpunkt der Einstellung und Fachsprachen-C1 nach zwei Jahren nachweisen. Mazza möchte zwar das deutsche Modell nach Südtirol holen, dann aber die verbindlichen Schwellen deutlich nach hinten verschieben. Drei Jahre soll es dauern, bis überhaupt B2 nachgewiesen werden muss; danach sollen weitere zwei Jahre für die fachsprachliche Qualifikation auf C1-Niveau folgen.

    Zahlreiche Ärztinnen würden also weiterhin — und sogar noch mehr als bisher — ohne angemessene Deutschkenntnisse arbeiten. Das wäre in Deutschland undenkbar.

    (Und es wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Südtirol undenkbar, wenn wir es nicht mit so vielen einsprachig italienischen, sondern vor allem mit einsprachig deutschen Ärztinnen zu tun hätten.)

    Wie ich an anderer Stelle geschrieben habe, hatte ich in Südtirol bei italienischen Ärztinnen in den allerseltensten Fällen das Gefühl, dass sie zu gut Deutsch sprechen und auch ein niedrigeres Niveau ausgereicht hätte. Sehr oft war hingegen das Gegenteil der Fall.

    Hinzu kommt ein struktureller Unterschied zwischen Deutschland und Südtirol, den ich ebenfalls bereits beschrieben hatte: In Deutschland trägt die Berufspraxis notgedrungen zur Vertiefung der Deutschkenntnisse bei, denn mit Kolleginnen und Patientinnen wird man hauptsächlich Deutsch sprechen müssen. In Südtirol ist es hingegen — wie wir leider wissen — durchaus möglich, sich in der alltäglichen Praxis der deutschen Sprache völlig zu entziehen. Deshalb sehe ich eine Aufweichung des geforderten Sprachniveaus kritisch.

    Die sprachliche Realität Südtirols ist nicht mit jener Deutschlands gleichzusetzen. Wer hier Deutsch — nicht die Staats-, sondern eine Minderheitensprache — schützen will, kann nicht einfach davon ausgehen, dass die Kenntnisse im Alltag automatisch zunehmen.

    Eine sachliche Basis wäre?
    Etwa eine einheitliche Regie, so wie in Katalonien, wenn es um Zweisprachigkeit geht. Sie betrifft ja viele Bereiche: Schule, Bildung, Gesundheit, öffentliche Verwaltung … Zweisprachigkeit ist im öffentlichen Interesse, so wie eine gesunde Umwelt, eine gute Schule, ein effizientes soziales Netz. Trotzdem geht man diese Probleme getrennt nach Sprachgruppen an.
    Der Landeshauptmann hat ja eine ­Kommission zur Zweisprachigkeit ­eingesetzt, …
    … die zum Beispiel kategorisch sagt, C1 muss bleiben. Das ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Vernünftig wäre, mit jenen zu reden, die mit der Sache zu tun haben, also nicht nur mit Beamten, sondern mit ­Experten, Lehrern und ­Professoren, Vertretern aller Sprachgruppen und ­Vertretern von Mehrheit und ­Opposition im Landtag.

    – Aldo Mazza im dieswöchigen ff-Interview

    Ich persönlich bin, wie sich unschwer wird erahnen lassen, durchaus für die Übernahme des katalanischen Modells. Allerdings wird auch in Katalonien das C1-Niveau von Ärztinnen verlangt. Das C1-Niveau wird dort in den meisten Fällen sogar bei Pflegekräften vorausgesetzt, die in Südtirol nur B2 nachweisen müssen.

    Und natürlich dient die von Mazza zitierte »einheitliche Regie« in Katalonien — wie in vielen Minderheitengebieten — ausschließlich dem Schutz und der Förderung der Minderheitensprache und nicht auch der Staatssprache. Das sei hier nur am Rand erwähnt.

    Sehr zu begrüßen ist Mazzas Vorschlag eines Sprachbarometers für das Gesundheitswesen. Im Salto-Beitrag über die Vorstellung des Beschlussantrags von Grünen und PD heißt es, damit solle die »impressionistische Phase« überwunden werden. Das ist sinnvoll, denn in Südtirol gibt es grundsätzlich viel zu wenige Sprachdaten.

    Andererseits nennt Mazza als Gründe für die angeblichen Sprachprobleme der deutschen Sprachgruppe laut Salto das fast vollständige Verschwinden der italienischen Sprache aus den »peripheren« Gegenden und die fehlende Notwendigkeit, die Sprache im Alltag zu verwenden.

    Da frage ich mich, warum man mehr Daten fordert, wenn man selbst die wenigen verfügbaren Daten so konsequent ignoriert oder ins glatte Gegenteil verkehrt. Die italienische Sprachgruppe wächst nämlich überall, die italienische Sprache ist omnipräsent und unausweichlich, auch weil das Recht auf Gebrauch der deutschen Sprache systematisch missachtet wird. Wenn es eine Sprache gibt, die in Südtirol längst nicht mehr notwendig ist, dann ist es neben der ladinischen die deutsche. Angefangen bei der Landeshauptstadt.

    Die teilweise glottophoben Äußerungen zum Dialekt, die in dem Salto-Bericht ebenfalls wiedergegeben sind, wären noch einen gesonderten Kommentar wert.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 05 06



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  • Langes Neonazi-Wochenende im Trentino.

    Von morgen Donnerstag bis Sonntag findet in Pietramurata, einer Fraktion der Gemeinde Dro im benachbarten Trentino, ein internationales Neonazitreffen statt. Es werden rund 400 Teilnehmende aus ganz Italien und aus dem europäischen Ausland erwartet. Organisiert wird Ritorno a Camelot (Rückkehr nach Camelot), wie die Veranstaltung heißt, vom rechtsextremen Veneto Fronte Skinheads im örtlichen Hotel Ciclamino.

    Die Bürgermeisterin von Dro, Ginetta Santoni, hatte sich ebenso wie ihre Amtskollegen von Trient, Franco Ianeselli, und Riva del Garda, Alessio Zanoni (beide PD), dafür ausgesprochen, das Treffen zu untersagen. Sogar Landeshauptmann Maurizio Fugatti (Lega) distanzierte sich deutlich. Auf staatlicher Ebene war Innenminister Matteo Piantedosi dazu aufgerufen worden, gegen die Veranstaltung vorzugehen.

    Das Komitee für öffentliche Ordnung und Sicherheit unter Vorsitz der Präfektin Isabella Fusiello entschied jedoch, den Aufmarsch zu genehmigen. Die Begründung: Es gebe derzeit in Italien keine ausreichende rechtliche Grundlage, um eine solche Veranstaltung — zumal auf Privatgrund — zu verhindern. Gleichzeitig wird sie unter massivem Polizeischutz stattfinden: Bis zu 140 Einsatzkräfte sollen dafür abgestellt werden.

    Das ist erstaunlich: Ein internationales Neonazitreffen gilt rechtlich als private Angelegenheit, die man nicht verbieten kann, obwohl dafür deutlich über hundert Polizistinnen mobilisiert werden müssen.

    Für Aufsehen sorgte zudem, dass Emilio Giuliana, der Trentiner Chef der Vannacci-Partei Futuro Nazionale, angekündigt hat, an der Veranstaltung teilnehmen zu wollen. Er habe dafür sogar seinen Urlaub verschoben. Der Fascho-General selbst, dessen Partei in Südtirol von Ex-Landesrat Massimo Bessone angeführt wird, gab seinen Segen dazu und bezeichnete die Teilnahme als persönliche Entscheidung.

    Nicht auszuschließen ist überdies, dass auch Bozner Verbündete der SVP bei der Neonazi-Veranstaltung anzutreffen sein werden. Schließlich sind zwei Bozner Stadtviertelräte der Lega — Maurizio Puglisi Ghizzi und Massimo Trigolo — Gründungsmitglieder von Remigrazione e Riconquista, einer rassistischen Bewegung, die unter anderem von CasaPound und Veneto Fronte Skinhead gemeinsam ins Leben gerufen wurde.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Faschistengruß für Ramelli archiviert.

    Jeden 29. April versammeln sich in Mailand hunderte Neofaschistinnen, um das Gedenken an den 1975 ermordeten Sergio Ramelli — und ihre rechten Arme zum Faschistengruß — hochzuhalten. Eine ähnlich ungenierte Zurschaustellung faschistischen Selbstbewusstseins findet jeden 7. Jänner in der römischen via Acca Larenzia statt.

    Jetzt wurde das Verfahren gegen 18 Rechtsextremistinnen eingestellt, die beim Ramelli-Gedenken am 29. April 2023 den Faschistengruß gezeigt hatten. Unter den Beschuldigten befanden sich Mitglieder von CasaPound, Lealtà e Azione und Movimento Nazionale – Rete dei Patrioti. Ihnen waren unter anderem Verstöße gegen das Scelba-Gesetz wegen faschistischer Wiederbetätigung sowie Propaganda und Anstiftung zu Straftaten aus rassistischen Gründen vorgeworfen worden. Doch die Voruntersuchungsrichterin folgte dem Antrag des zuständigen Staatsanwalts auf Archivierung.

    Die Begründung hat es in sich. Bei den seit Jahren stattfindenden Ramelli-Veranstaltungen habe es nie konkrete Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die demokratische Ordnung durch eine mögliche Wiedergründung der faschistischen Partei gefährdet gewesen sei. Der Faschistengruß sei in diesem Kontext außerdem kein Ausdruck einer Ideologie der Intoleranz oder Diskriminierung, sondern dem Gedenken an einen jungen Mann zuzurechnen, der seine politische Meinung vertreten habe.

    Damit wird im Kontext einer regelmäßig stattfindenden öffentlichen Veranstaltung der extremen Rechten die wohl bekannteste faschistische Geste von einem politischen Symbol zum harmlosen privaten Erinnerungsritual umgedeutet.

    Dabei handelt es sich nicht um eine zufällige Geste irgendeiner einzelnen Teilnehmerin, sondern um einen seit Jahren stattfindenden Aufmarsch der extremen Rechten, bei dem der Faschistengruß zum festen Bestandteil der Inszenierung gehören.

    Mit ihrer jetzigen Entscheidung ändert die Mailänder Staatsanwaltschaft ihre bisherige Linie grundlegend. In den vergangenen Jahren hatte sie bei vergleichbaren Fällen regelmäßig die Einleitung eines Hauptverfahrens beantragt. Die neue Haltung dürfte dabei auf die Grundsatzentscheidung der Kassation von 2024 zurückzuführen zu sein, die die Grenzen für Verurteilungen noch einmal enger gesteckt hat, als sie in Italien ohnehin schon waren.

    Die italienische Judikative überrascht immer wieder mit faschismusverharmlosenden (vgl. 01 02) — und teilweise widersprüchlichen — Interpretationen, die im deutschsprachigen Raum schwer vorstellbar wären.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Il Canada difende il francese da Trump.

    Da tempo la destra statunitense esprime insofferenza verso le norme linguistiche canadesi e, in particolare, quelle del Québec, che tutelano il francese anche in campo economico e commerciale.

    In Canada denominazioni dei prodotti, informazioni tecniche, manuali d’uso, certificati, servizi alla clientela e pubblicità devono essere disponibili anche in francese. Il Québec si spinge oltre e in molti ambiti prescrive non soltanto la presenza del francese, ma una sua posizione predominante rispetto alle altre lingue.

    Le regole valgono anche per il mondo digitale e per le grandi piattaforme come Netflix o HBO. E qui il Québec non si limita a stabilire che i contenuti possano essere fruiti in francese, ma prevede anche specifici obblighi e meccanismi di tutela della produzione e della diffusione di contenuti in questa lingua.

    Per le aziende statunitensi tutto ciò porta con sé obblighi supplementari, che fanno sì che non possano operare sul mercato canadese come se fossero negli USA. Dal loro punto di vista, dunque, spesso quelli che per i francofoni in Canada e nel Québec sono strumenti di tutela linguistica non sono altro che ostacoli alla libera circolazione di beni e servizi.

    È proprio questa distinzione che il primo ministro canadese Mark Carney ha ribadito pochi giorni fa con riferimento alle trattative commerciali con gli Stati Uniti. Quelli che per i negoziatori di Washington possono apparire come irritants — irritazioni, fastidi, ostacoli — in Québec sono diritti. E il governo canadese, ha fatto sapere Carney, non accetterà mai un accordo commerciale che li indebolisca.

    È un’affermazione tutt’altro che scontata sul piano internazionale. Significa riconoscere che la tutela di una lingua minoritaria non può fermarsi davanti alla porta di un negozio o all’accesso a una piattaforma digitale. Se una lingua deve poter essere effettivamente utilizzata nella società, non basta dichiararla ufficiale o garantire astrattamente il diritto ad utilizzarla. Occorre fare in modo che possa essere usata nei luoghi e nei settori nei quali si svolge concretamente la vita delle persone.

    Il «libero mercato delle lingue» non è mai neutrale, perché una lingua può disporre di un mercato molto più grande di un’altra, essere dominante a livello internazionale, nell’economia e nel digitale, mentre un’altra è parlata da una comunità molto più ristretta e ha bisogno di protezioni specifiche. Lasciarle semplicemente «competere» significa favorire quella che — a livello nazionale — è già dominante.

    Il Québec ha fatto una scelta chiara: non lasciare che siano esclusivamente le dinamiche economiche a decidere quale lingua debba prevalere, ma imporre al mercato di adattarsi alla presenza e alle esigenze della comunità francofona.

    In Sudtirolo, invece, la tutela delle lingue minoritarie nel settore privato è praticamente inesistente. Nel mondo digitale e in quello commerciale la possibilità che il tedesco e il ladino siano presenti, accessibili e utilizzabili dipende quasi esclusivamente dalle scelte delle aziende stesse. Non esiste nulla di paragonabile alla complessa rete di strumenti attraverso i quali il Canada e il Québec cercano di impedire la progressiva marginalizzazione della lingua francese, anche nei confronti delle logiche del mercato.

    La lingua di una minoranza non rimane viva per miracolo. Rimane viva quando esistono diritti effettivi e strumenti per farli rispettare, e quando i rapporti di forza non possono agire senza briglie.

    Mark Carney ha scelto di non sacrificare questi diritti al neoliberismo e alle pressioni di Donald Trump — un approccio che anche alle nostre latitudini meriterebbe qualche riflessione.

    In Sudtirolo, invece, c’è ancora chi considera eccessivo che l’uso di una lingua minoritaria debba venire garantito dalle pubbliche amministrazioni.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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